Mitarbeiterabbau à la Telekom Austria

Die Aussage eines Vorstandsmitglieds der Telekom Austria sorgen in Österreich für Aufregung. Gernot Schieszler beschreibt fragwürdige Methoden zum Mitarbeiterabbau. Das Telekomunternehmen sieht sich nun mit dem Vorwurf des systematischen Mobbings konfrontiert und spricht von unglücklichen Aussagen.


Zugegeben, die Festnetzsparte der Telekom Austria hat es nicht leicht. Immer mehr Menschen verzichten auf einen Festnetzanschluss und verwenden nur noch ein Mobiltelefon. In Anbetracht der Kampfpreise am österreichischen Mobilfunkmarkt ist das auch kein Wunder. Weniger Festnetzanschlüsse bedeuten weniger Kunden für die Festnetzsparte der Telekom Austria. Und wenn ein Unternehmen weniger Kunden hat, braucht es auch weniger Mitarbeiter.

Das Problem: Als ehemaliger staatlicher Monopolist hat die Telekom Austria noch zahlreiche pragmatisierte Mitarbeiter – sie sind praktisch unkündbar. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das natürlich schlecht (abgesehen von der Ungerechtigkeit gegenüber den kündbaren Mitarbeitern). Die Telekom Austria hat laut eigenen Aussagen rund 1200 Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden, aber auch nicht gekündigt werden können.

Zum Abbau der Mitarbeiter setzt die TA vor allem auf sogenannte Golden Handshakes : Für eine freiwillige Kündigung erhalten pragmatisierte Mitarbeiter – je nach Alter – zwischen 36 und 45 Monatsgehälter. Wer für sich gute Chancen auf den Arbeitsmarkt sieht, wird dies als attraktives Angebot auffassen. Wer jedoch nur über wenig gefragte Qualifikationen verfügt und zudem schon zu den älteren Arbeitsnehmern gehört, bleibt angesichts der tristen wirtschaftlichen Situation lieber bei seinem sicheren Arbeitsplatz.

Und so bleiben der Telekom Austria nach eigenen Schätzungen rund 800 Mitarbeiter, die nicht gebraucht werden, nicht gekündigt werden können, und auch nicht umgeschult oder an andere Unternehmen „verleast“ werden können. Was macht die Telekom Austria mit diesen Mitarbeitern? Sie werden nach Hause geschickt, wo sie einfach nichts arbeiten . Auf dem Capital Market Day am 29. Jänner fragte ein Investor, ob es denn keine „klügeren Wege“ gäbe, und ob diese Maßnahme zur Annahme der Golden Handshakes bewegen soll. Die Antwort von Gernot Schieszler (in seiner Funktion als Finanzvorstand und Personalverantwortlicher) sorgt für Aufregung, nachdem das Thema diese Woche von den großen Medien entdeckt wurde.

Sinngemäß wiedergegeben: Das primäre Ziel des Managements sei eine Wertsteigerung des Unternehmens , und nicht sinnlos jene Mitarbeiter zu beschäftigen. Man hätte daher entschieden, diese Leute aus dem Arbeitsprozess zu nehmen. Wenn es keine andere Verwendung gäbe, würde man sie eben zu Hause sitzen lassen. Am Anfang würden sich die Betroffenen noch wohl fühlen. Doch im Februar würde man beginnen, die Leute anrufen und sie für ein paar Tage zur Arbeit rufen. Diese würden dann „am Telefon krank werden“, woraufhin man sie zum Arzt müssen. Der Arzt wird jedoch keine Krankheit feststellen, und dann werde die Telekom beginnen, rechtliche Schritte gegen die Betroffenen einzuleiten. Schieszler kann sich vorstellen, dass diese Vorgehen dazu führen wird, dass mehr Mitarbeiter als bisher die Golden Handshakes annehmen würden.

Die Aussagen wurden von Medien und Kommentatoren scharf kritisiert. „Fragwürdige Methoden“ gehört da noch zu den milden Urteilen. Die Vorwürfe gehen in Richtung systematisches Mobbing bzw. Bossing. Hätte dieses Prinzip tatsächlich so angewandt werden, wäre dies natürlich ein unglaublicher Skandal. Ob die Telekom Austria tatsächlich das vorhatte, worüber Schieszler referierte, lässt sich nicht beweisen. Das Unternehmen dementierte naturgemäß. Eine entsprechende Pressemitteilung ließ nicht lange auf sich warten.

Telekom Austria TA AG weist jegliche Vorwürfe, die im Zusammenhang mit einem Video auf Youtube entstanden sind, auf das Schärfste zurück. Im Zuge der Personalrestrukturierung wurden umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um den Personalabbau möglichst sozial zu gestalten. Mitarbeiter, die vom Abbau betroffen sind, bekommen im Rahmen eines Sozialplanes attraktive Golden Handshakes, Vorruhestände, Karenzierungen und in einer Arbeitsstiftung Weiterbildung und Jobvermittlung angeboten. Mitarbeiter, die diese Angebote nicht annehmen, werden bei fast vollen Bezügen vom Dienst frei gestellt.

Jobcoaches begleiten alle betroffenen Mitarbeiter. Darüber hinaus steht mit Hilfe des Wiener Kriseninterventionszentrums allen Mitarbeitern professionelle anonyme Beratung zur Verfügung. Zusätzlich wurde mit dem Leiter des sozialmedizinischen Zentrums Wien, Herrn Prof. Michael Kunze, eine Vereinbarung über ein unabhängiges sozialmedizinisches Auditing getroffen. Herr Prof. Kunze überprüft die sozialmedizinische Verträglichkeit aller mit dem Jobabbau in Zusammenhang stehenden Maßnahmen.

Heute gab es dann auch erste Konsequenzen: Schieszler muss die Personalagenden an Hannes Ametsreiter abgeben, bleibt jedoch weiterhin Finanzvorstand. Telekom Austria CEO Boris Nemsic bezeichnete im Ö1-Mittagsjournal die Aussage als „Fehler im Inhalt und Form“. Die Telekom Austria ist um Schadensbegrenzung bemüht. Letztendlich bleibt aber der Eindruck, dies geschehe wegen seiner reputationsgefährenden Aussagen, weil Schieszler auf eine weichspülende Marketingsprache verzichtet hat. Dass systematisches Mobbing in vielen Unternehmen mittlerweile nicht mehr außergewöhnlich ist, darüber wird nicht geredet. Eine gute Seite hat diese Geschichte jedoch: Eine tatsächliche Umsetzung dieser Maßnahmen wird bei der Telekom Austria damit unmöglich, denn das Unternehmen steht jetzt diesbezüglich unter Beobachtung.

Die erste Satire zum Thema ließ übrigens nicht lange auf sich warten. Der Blog Ethik360 spricht von einem Blamablen Führungsstil bei Telekom, die Wissenslounge beleuchtet den Imageschaden. Weitere Meinungen und Gedanken gibt es zudem bei Communication, Rhetoric and Oops... und Solino. Und auch ausländische Medien berichten bereits.

Veröffentlicht am 25.02.2009 von Thomas.

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