Ein Bericht über eine reale Gegegbenheit: Ein Chef entscheidet, einen Mitarbeiter zu entlassen, um die durch die Finanzkrise entstandenen Verluste auszugleichen. Hierzu wendet er allerdings Methoden an, die moralisch nicht mehr vertretbar sind.
Ich kenne jemanden, der wiederum jemanden kennt, der bei einem bekannten Unternehmen in Düsseldorf arbeitet. Einem Unternehmen, das u.a. Medienwerke zum Thema Computer herausbringt. Dieser Bekannte arbeitet dort als kompetenter Informationstechniker in der Zeitschriftenredaktion, schreibt also Artikel für Zeitschriften.
Nun dürfte die Finanzkrise an keinem Unternehmen spurlos vorbeigegangen sein: Was macht ein Unternehmen, wenn es in Geldnot kommt als erstes? Es spart. Und zwar nicht zuerst, wie viele behaupten, bei den Löhnen oder den Mitarbeitern, sondern bei der Werbung, die ja kostet, auch wenn sich diese eigentlich rentieren sollte.
Bei besagtem Arbeitgeber ist das anders: Die Zeitschriftenredaktion finanziert sich zum einen natürlich durch den Verkauf, zum anderen - damit die Zeitschriften nicht zu teuer werden - durch Werbung. Wenn jetzt die anderen Unternehmen an Werbung sparen, bekommt auch jenes Medienunternehmen nicht mehr so viel durch Werbung rein. Folglich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder den Preis anheben – und damit Leser verlieren oder zumindest verärgern – oder aber Mitarbeiter entlassen.
Zurück zu unserem Mitarbeiter: In seiner Redaktion ist er mit 52 Jahren mit Abstand der Älteste. All seine Kollegen sind gut 25 Jahre jünger. Da unser Mitarbeiter allerdings schon bei diesem Unternehmen gearbeitet hat, als seine Kollegen noch nicht einmal geboren waren, ist sein Gehalt mit der Zeit auch dementsprechend gestiegen. In Klartext: Er verdient mehr als doppelt so viel wie seine Kollegen. Nun wäre es für den Arbeitgeber ein Leichtes, ihm zu kündigen. Damit würde er zwar den dienstältesten und erfahrensten Mitarbeiter rausschmeißen, allerdings würde somit auch die Zahl der entlassenen Mitarbeiter so gering wie möglich bleiben.
Problem ist: Wenn der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer entlässt, ist er verpflichtet, eine Abfindung zu zahlen, die in unserem Fall nicht gerade wenig ist. Deshalb möchte der Arbeitgeber natürlich, dass unser Mitarbeiter selbst aus freien Zügen kündigt, was man sicherlich von keinem Arbeitnehmer erwarten kann, dem Arbeitgeber allerdings eben auch die lästige Abfindung ersparen würde. Also haben sich die Chefs Gedanken gemacht und unseren Redakteur zur jährlichen Besprechung gerufen, die normalerweise viel Lob und kaum Kritik beinhaltet, meistens auch mit einer Gehaltserhöhung einhergeht. Diesmal allerdings blieb das Lob aus, stattdessen hagelte es Kritik. Es fielen Kommentare wie "Sie werden natürlich auch älter, vielleicht sollten Sie überlegen, eine Ihrem Alter angemessenen Arbeit zu ergreifen. Es ist ja bekannt, dass Senioren in der Regel keine Ahnung von Computern haben". Eine Gehaltserhöhung gab es diesmal nicht.
Etwas überrascht von dieser Besprechung ging er zurück zu seinem Arbeitsplatz, wo ihn seine Kollegen mit einem unangenehmen Lächeln empfingen. Sie waren wie ausgewechselt, gaben u.a. hämische Kommentare ab und kritisierten seine Arbeit, alles in allem kann man das wohl mit Recht Mobbing nennen. Später beim Ausleeren des Mülleimers fand er darin zufällig eine Notiz eines Chefs bezüglich der jährlichen Besprechung. Darauf standen die Punkte, die die Chefs bei jedem einzelnen Mitarbeiter umsetzen wollen. Für unseren Mitarbeiter gab es nur eine einzige Notiz: "Herrn X dazu bewegen, freiwillig zu kündigen".
Ich selbst war geschockt, dass derartige Methoden an deutschen Arbeitsplätzen eingesetzt werden, bin aber der Überzeugung, dass das nicht nur bei diesem Unternehmen Usus ist. In diesem Zusammenhang verweisen wir übrigens auch auf den aktuellen Bericht über fragwürdige Methoden beim Mitarbeiterabbau beim österreichischen Mobilfunkunternehmen Telekom Austria.
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Schlagworte: Bossing • Leben • Mitarbeiterabbau • Mobbing • Wirtschaft