Die Teuerung schlägt zurück!

Noch vor einem halben Jahr wurde über die globale Teuerungswelle gejammert. Mittlerweile wurde die Inflation in den Medien von der Finanzkrise verdrängt. Doch nun schlägt die Teuerung zurück: Denn auch an den somalischen Piraten ging die Teuerung nicht spurlos vorbei.


Es war im Frühjahr 2008, da war die Teuerung zumindest in Österreich ein medialer Dauerbrenner. Kaum ein Tag verging, an dem uns keine der reichweitenstärksten Zeitungen vorrechnete, wie teuer das Leben geworden ist. Ob Benzin, Nachrungsmittel oder Kindergarten — einfach alles ist teurer geworden. Der Höhepunkt der Jammerei war dann im Juni 2008 erreicht worden, die Inflationsrate erreichte laut Statistik Austria die Marke von 3,9% im Jahresvergleich

Zu dieser Zeit standen in Österreich Neuwahlen vor der Tür, die Teuerung war folglich das zentrale Wahlkampfthema. Eine populistische Allianz aus Sozialdemokraten und den Rechtsparteien FPÖ und BZÖ versprach den inflationsgeplagten Bürgern die Bekämpfung der Teuerung. Diese drei Parteien waren dann auch die Wahlgewinner. Was im Ausland ausschließlich als Rechtsruck wahrgenommen wurde, obwohl ein wesentlicher Teil des Stimmzuwachses auf Sozialpopulismus zurückzuführen ist.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht waren die Versprechungen großteils kontraproduktiv. Es handelte sich nicht um strukturpolitische Maßnahmen, vielmehr ging es um Teuerungsabgeltungen, welche aus der Staatskasse bezahlt werden. Mehr Staatsausgaben und ein höheres Defizit bekämpfen nicht die Inflation. Staatdessen steigt das Preisniveau noch weiter an. Nur kurzfristig wurden die Leiden der Inflation durch ein höheres Nominaleinkommen gelindert. Das Realeinkommen wird davon mittel- und langfristig nicht höher.

Doch inzwischen ist einiges geschehen. Die Finanzkrise macht sich nun auch in Europa bemerkbar. Jetzt wo Arbeitsplätze in Gefahr sind, ist die Inflation wieder nebensächlich. Tatsächlich ist sie mittlerweile gesunken, in den offiziellen Zahlen für Oktober wurde sie mit 3,1 Prozent beziffert. Und sie wird wohl weiter zurückgehen, denn ein gehemmtes Wirtschaftswachstum dämmt die Inflation ceterius paribus ein. Die staatliche Konjunkturförderung soll dagegenhalten — dass derartige Maßnahmen das Preisniveau nach oben treiben, interessiert jetzt niemanden mehr, wenn man Angst um den Job hat.

Aber nun zu den Piraten: Jüngst wurde der saudi-arabische Supertanker Sirius Star von somalischen Seeräubern gekapert. Die Entführer verlangen 25 Millionen Dollar Lösegeld. Auf dem Spiel stehen: Einige Menschenleben, eine Fracht im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar und ein befürchteter Ölteppich auf dem Meer. Und Letztes ist wohl das, was den Involvierten die meisten Sorgen bereitet. Eine Lösegeldzahlung könnte in die Ausrüstung der Piraten investiert werden, keine Lösegeldzahlung könnte zu einer Umweltkatastrophe führen. Eine klassische Zwickmühle.

Vereinzelt wird ja versucht, die Piraterie wieder zu romantisieren. Da gibt es sogar Versuche, dies als Racheaktion gegen die Umweltverschmutzung durch die westliche Welt darzustellen. Tatsächlich ist die Meeresverschmutzung ebenso wie die Piraterie eine Folge der Anarchie auf See, aber sicher nicht das Motiv für diese Schiffsentführung. Nachvollziehbar ist hingegen der Zusammenhang mit den katastrophalen ökonomischen und humanitären Zuständen in Somalia. Rund 15 Jahre nach der Schlacht von Mogadischu interessiert sich der Westen wieder für die Situation in diesem durch Bürgerkriege gebeutelten Land.

Nicht nachvollziehbar scheinen hingegen angebliche Klagen der Piraten über die hohen Kosten der Aktion. Mit diesen wird nämlich die hohe Lösegeldforderung begründet. Man hätte hohe Beträge für Waffen, Sold, Ausrüstung und Hinweise ausgeben müssen. Man könnte doch fast Mitleid mit den armen Piraten haben. Noch fragwürdiger erscheint es aber, wenn manche Stimmen als Reaktion auf solche Meldungen einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Misere Somalias und der Teuerung in Wohlfahrtstaaten zeichnen ...

Veröffentlicht am 23.11.2008 von Thomas.

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