Nach Zahlen der Internationalen Flug- und Transportvereinigung IATA flogen 2008 knapp 4,2 Milliarden Menschen mit einem Flugzeug. Wenn diese Zahl stimmt, dann hat nur Einer von 4,2 Milliarden dieses Jahr versucht, ein Flugzeug in die Luft zu sprengen. Der Aktionismus, den er ausgelöst hat, ist ungleich größer.
Umar Farouk Abdulmutallab (23) hatte am 25. Dezember versucht, einen Flug der Delta Airlines in Chicago in die Luft zu sprengen - konnte jedoch überwältigt und festgenommen werden. Heute wurde bekannt, dass sich El-Qaida zu dem versuchten Anschlag bekannt haben soll.
Soweit so gut. Abgesehen davon, dass für Bus- und Bahnverkehr keine Kontrollen gelten, obwohl auch da Milliarden von Menschen jährlich befördert werden, ist der jetzige Aktionismus der Politik bemerkenswert. Kaum fällt das Wort El-Qaida, gibt es nur eine logische Antwort der Politik: Mehr Kontrollen, mehr Sicherheit, mehr Kameras, mehr Spürhunde, mehr Beamte. Als ich heute die Nachrichten abgerufen habe, dachte ich zuerst an ein Dèjá-Vu. Mehr Kontrollen? Mehr Beamte? Mehr Sicherheit für die Bürger
? Das hatte ich doch schon Mal gehört, nach so einem gewissen 11. September 2001, oder nachdem 2004 zwei russische Passagierflugzeuge nach Sprengstoffanschlägen abgestürzt waren, nachdem 2006 Anschläge auf britische Ferienflieger vereitelt worden waren, und so weiter. Google News sollte da weiterhelfen.
Die Frage, die sich mir jetzt berechtigterweise stellt, ist die, wie viel besser
die Sicherheitsvorkehrungen nach den vollmundigen Versprechen der letzten Jahre noch werden können:
Alle Arten von Flüssigkeiten, Pasten, Gels, Cremes etc. müssen in Behältern mit einem maximalen Fassungsvolumen von 0,1 Liter (= 100 ml), in einer durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastiktüte, deren Fassungsvermögen nicht größer als 1 Liter betragen darf, transportiert werden.
Ja, sowas in der Art haben die Politiker inzwischen durchgesetzt. Und die Anderen Verschärfungen und die Verschärfung der Sicherheitsverschärfung, alles schon gehört aus der Politik. Wenn man trotzdem nicht verhindern kann, dass ein Nigerianer in Detroit seine Arme in Brand setzt, was inzwischen auch die Politik begriffen hat, dann könnte man daraus schließen, dass der beste Schutz vor Anschlägen das Ausräumen sozialer Disparitäten auf der Welt wäre.
Die Politik sieht das wie immer nicht so. Immerhin hat die CDU ja in vergangenen Wahlkämpfen hübsch mit Sicherheit
aufgemacht, und die Amerikaner fürchten sich ja notorisch vor allem, was Abdul
im Namen trägt. Und da man dem Volk nicht ewig erzählen kann, die verschärften Schutzmaßnahmen wären wieder mal radikal verbessert worden (wer glaubt denn das noch), muss neuer technischer Ramsch her: Der Nacktscanner
. Nach den tagesaktuellen Medien wird gerade wieder diskutiert, ob die längst wegen der verfassungsrechtlichen Bedenklichkeit eingestellten Tests und Planspiele nicht wiederbelebt werden können.
Es wäre doch gelacht, wenn man mehr Überwachung und weniger Freiheit nicht ein weiteres Mal durchsetzt, indem man die Angst im Volk schürt. Wie war das noch? Patriot-Act, Videoüberwachung, Quasi-Verteidigungsfall, ...
Wie gesagt - der Attentäter steht 1 zu 4.200.000.000 Flugreisenden. Aber was solls. Mal eine Gegenfrage zum Wer schützt die westlichen Bürger?
: Wer schützt die Afghanische und Irakische Bevölkerung eigentlich vor unseren Kampfkommandos?