Aufwisch #1: Westerwelle, Rüttgers, Käßmann, Mixa

Was war diese Woche los? Was - oder wer - wurde kontrovers diskutiert? Der Aufwisch.


Was soll man dazu sagen? Guido Westerwelle als Debattenführer, als Taktgeber, politischer Meinungsmacher. Die Medien waren dankbar dafür, dass ihnen endlich einer ein neues Thema gegeben hat - Hartz-IV. Gut, manche werden sich jetzt fragen, ob das Thema wirklich so neu ist. Ist es natürlich nicht. Es ist eigentlich abgedroschener als ein Feld nach Erntedank, aber was solls'.

Zuerst beschwörte er die Angst vor spätrömischer Dekadenz (Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, der lädt zu spätrömischer Dekadenz ein, ergänzte, alle Arbeitnehmer wären die Dummen angesichts dieser Entwicklung; und Arbeitslosengeld-II Empfänger könnten ja mal Schneeschippen gehen.
Merkels Distanzierung war alles Andere als eine solche (Das ist nicht mein Duktus) und die Springer-Presse griff die Debatte dankend auf, um zu titeln: Bin ich dumm, wenn ich noch arbeite? (Mehr dazu im BildBLog).

Für mich sind bei der Debatte noch einige Fragen offen geblieben, vor allem, was man dann im Sommer mit den ALG-II-Beziehern macht, wenn kein Schnee liegt - oder warum Westerwelle, wenn er doch findet dass Arbeit sich wieder lohnen muss, so vehement gegen den Mindestlohn ist, der garantieren würde, dass Arbeitende mehr bekommen als mit ALG-II.
Aber auch sonst war die sogenannte Debatte absoluter Kindergarten. Außer Stammtischparolen und Halbwissen kamen keine Fakten auf den Tisch, die man nicht schon vor Jahren gehört hätte. Westerwelles Nebelgranate hat trotzdem funktioniert: Keiner redet mehr von Mövenpick, Atommüll oder schlechten Umfragewerten - und am 7. Mai ist ja schließlich auch Wahl in NRW.

Bis dahin muss ein anderer sein Image auch noch ein wenig aufpolieren - Jürgen rent a Rüttgers. Weil er sich Interviews gut sponsern ließ, wurde jetzt der Generalsekretär der NRW-CDU Hendrik Wüst gegangen. Der soll übrigens auch für das Sonderangebot an Firmen für Exklusivgespräche gegen Bezahlung schuld sein. Ob man das glaubt, bleibt jedem selber überlassen. Ich glaub da nicht dran. Das ändert natürlich sowieso nichts daran, dass Rüttgers Ruf jetzt noch kaputter ist als vorher. Ich habe ja im letzten Blog-Eintrag schon über seine Rolle als Arbeiterführer, Opel-Retter und Rumänen-Schelter gesprochen. Redlich bemüht der arme Herr Rüttgers jetzt, die Angst vor Rot-Rot in NRW zu schüren. Ach, das alte Kommunisten-Argument. Das zieht doch auch nicht mehr.

Eine Irrfahrt ganz wörtlicher Art hat Margot Kämßmann, ex-Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland hinter sich. 1,54 Promille Blut im Alkohol - oder vielleicht doch nur Alkohol im Blut, naja egal. Der Teufel hat den Alkohol erfunden, und die Schlange hat sie verführt, beschwipst Auto zu fahren. So muss es gewesen sein. Jedenfalls hat sie jetzt abgedankt. Weißen Rauch wie im Vatikan gab es zwar nicht, aber ein Nachfolger ist ja schnell gefunden. Wasser predigen und Wein trinken; die Kirche kann mir gestohlen bleiben.

Die andere Kirche macht ja neuerdings auch so von sich reden. Die Zahl der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg, einer katholischen Einrichtung, häuft sich. Mindestens 115 Opfer (Quelle: Focus) haben sich inzwischen gemeldet, der Missbrauch soll von den 60er bis zu den 80er Jahren stattgefunden haben. Viele Taten sind dummerweise verjährt. Bischof Walter Mixa hat wie immer eine erhellende, eigene Ansicht zum Thema: Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.. Ja, was soll man dazu noch sagen? Ja so sagte doch schon dereinst unser Herr Jesus Christus: Lasset die Kinder zu mir kommen. Die katholischen Pater am Kolleg haben das dann halt ein wenig freier ausgelegt. Im Schutze der Verkündigung der Nächstenliebe und Humanität, Würde und Moral mal eben an den eigenen Schützlingen vergangen. Man muss sich ja nicht so ernst nehmen - und Bischof Mixa, den muss am besten gar nicht mehr ernst nehmen.

Veröffentlicht am 28.02.2010 von Raphael.

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