Wählen ab 16: Gerechtfertigte Skepsis?

Bei der Nationalratswahl in Österreich dürfen erstmals Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Doch die Skepis bleibt, selbst die Jugendlichen stehen dem kritisch gegenüber. Ist man mit 16 alt genug, um eine richtige Wahl treffen zu können?


Österreich ist das erste Land der Europäischen Union, in dem man mit dem vollendeten 16. Lebensjahr das Recht hat, nicht nur auf Landesebene, sondern auch auf Bundesebene zu wählen. Somit ist ein Großteil der 180.000 Erstwähler, die am Sonntag bei den Neuwahlen in Österreich den zukünftigen Nationalrat mitbestimmen können, noch nicht 18 Jahre alt. Viele trauen dieser Wählerschicht, die nicht einmal ganz 2% aller Wahlberechtigten ausmacht, nicht zu, sich eine "richtige" eine Meinung bilden zu können. Zurecht?

In den letzten Tagen konnte man viele Artikel in Zeitungen lesen, in denen Jugendliche selbst einmal dazu Stellung nahmen. Ich wähle HC-Strache, weil er ein echter Österreicher ist und sich super um uns kümmert würde oder Ich wähle, was meine Mama wählt. Am öftesten war von den Jugendlichen aber Folgendes zu hören: Ich bin gegen das Wahlrecht ab 16. Ich denke, dass man zu leicht manipulierbar ist.

Im letzten Zitat ist wohl tatsächlich ein Fünkchen Wahrheit verborgen. Hochjubelnd hören sich ganze Klassen im Informatik-Unterricht den Song “Viva HC” von Hans Christian Strache (der rechtspopulistischen FPÖ) an und denken danach, er sei die richtige Wahl für Österreich. Die Grünen punkten mit verteilten Kondomen, auf deren Packung “grüner Abfangjäger” steht. Zugegeben, originell sind beide Ideen. Aber darf man auf Grund dieser Aktionen eine Partei wählen?

Aber vielleicht muss ja gar nicht immer so offensichtlich sein. Es reicht schon, wenn am Esstisch zu Hause der Vater 10 Minuten lang die angeblichen Vorteile der Österreichischen Volkspartei predigt oder die Mutter, wie oben geschrieben, sagt, was sie wählt und der Jugendliche macht das Kreuzchen an der gleichen Stelle.

So rückt mehr denn je rückt eine Forderung in den Vordergrund, die es schon seit Jahren gibt: Ein Pflichtfach “Politische Bildung” an Schulen. Dafür fehlen jedoch die geeigneten Lehrkräfte, da es einer guten pädagogischen Ausbildung bedarf. Nun aber plötzlich im Wahlkampf fordern alle Jugendorganisationen der Parteien das Fach. Irgendwie unglaubwürdig.

Vielleicht hätte man es einfach nicht so überhastet angehen sollen. Wenn man weder eine politische Bildung an den Schulen einführt, noch versucht, Jugendliche für die Politik zu begeistern, darf man sich nicht wundern, wenn das daraus resultierende Ergebnis schlecht sein wird. Man versucht geradezu verzweifelt, der ins Nichtwählertum abziehenden Bevölkerung entgegenzuwirken, indem man den Jugendlichen einen schnellen Zugang gibt. Dieser ist jedoch sinnlos, wenn die Politik die Erstwähler verschreckt und viele schon gar nicht mehr der Thematik folgen können und im Endeffekt auch nicht wollen.

So wirkt die Politik für viele einfach "weltfremd", wenn die Politiker in der TV-Diskussion erklären, warum unsere Zukunft dann und wann schrecklich aussehen wird, warum laut einer Partei Asylanten das Problem sind und wieso es den Menschen besser geht, wenn die Milch um 5 Cent billger wird (Vorschlag von SPÖ-Spitzenkandidat Faymann, die MwSt. auf Lebensmittel zu halbieren). Bildung, Studiengebühren, Arbeitsplätze für die Zukunft. Das interessiert Jugendliche. Doch statt dass eine Diskussion darum geführt wird, stimmt heute, Mittwoch, das Parlament über die Abschaffung der Studiengebühren ab, ohne dass die SchülerInnen wissen, ob das nun gut für sie sein wird oder nicht.

Trotzdem all dieser negativen Aspekte darf nicht vergessen werden, dass sich auch ein großer Teil der Erstwähler sehr wohl eine ordentliche Meinung bilden wird. Nach dem Motto: In der Schule haben wird darüber geredet und im Freundeskreis diskutiert man weiter. Interesse ist durchaus gegeben. Damit überrascht es auch nicht, dass ein großer Teil der Neuwähler plant, den Urnengang zu tätigen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Anteil jener, die sich eine eigene Meinung gebildet haben, die nicht auf einfachstem Populismus begründet ist, möglichst groß sein wird.

Veröffentlicht am 25.09.2008 von Michael.

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