Superwahljahr 2039

Anfang September, 2039 – der Sommer geht gerade zu Ende und genau jetzt fängt angeblich die „heiße Phase“ des Bundestagswahlkampfes an. Erste Prognose, die bereits vorab bei Twitter durchgesickert sind, sprechen jedoch bereits vom langweiligsten Bundestagswahlkampf seit mindestens 4 Jahren…


Angefangen hat das Jahr, wie mittlerweile jedes Jahr, mit Landtagswahlen in Bayern, in deren Folge – ebenfalls wie jedes Jahr – der Spitzenkandidat der CSU zurücktrat und stattdessen irgendein bislang völlig unbekannter Regionalpolitiker Ministerpräsident wurde. Dieser hat dann auch gleich das Nichtraucherschutzgesetz abgeschafft und dafür das Büchergeld wieder eingeführt, sodass auch für die nächste Legislaturperiode schon für Arbeit gesorgt wurde.

Nachdem dann bei den Wahlen in Sachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfahlen und im Saarland laut übereinstimmender Auskunft der Spitzenpolitiker aller Parteien entgegen jedweder mathematischer Logik wieder einmal sämtliche Parteien einen glorreichen Sieg für sich verbuchen konnten, läuteten die Parteien in den letzten Tagen – wie erwähnt – die (angeblich) "heiße" Phase des Wahlkampfes ein.
Während es hierbei die meisten Parteien allerdings bei leeren Versprechungen beließen, ließ die Union den Worten Taten folgen – und hängt seitdem Plakate mit einer (angeblich) heißen Abbildung ihrer Spitzen und Kanzlerkandidatin auf. Immerhin etwas, wenn diese auch bereits 20 Jahre alt ist – also die Abbildung, nicht die Spitzenkandidatin. Denn die hat mit ihren 85 Jahren schon fast das derzeitige gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht...


Ansonsten scheinen die Prognosen jedoch Recht zu behalten – es wird, wieder einmal, Langeweile-Extrem – was wohl auch daran liegt, dass es derzeit einfach keine heißen Themen gibt:

Die Opel-Rettung beispielsweise befindet sich derzeit an einem toten Punkt. Die Bundesregierung hat zwar bereits eine ganze Reihe an Rettungsschirmen aufgespannt - sodass mittlerweile jedem Opel-Arbeiter ein eigener Schirm zur Verfügung gestellt werden könnte (was jedoch zugegebenermaßen auch mit dem leichten Mitarbeiterrückgang in den letzten Jahren zusammenhängen könnte) – aber momentan wartet man noch auf eine Entscheidung von GM...

Die Frage nach der Endlagerung des radioaktiven Abfalls konnte noch erfolgreich auf die nächste Legislaturperiode verschoben werden (um diese äußerst wichtige Angelegenheit aus dem Wahlkampf herauszuhalten, wie die Regierungsparteien betonen). Und zwar indem all das, was nach dem Höhleneinsturz im sogenannten „Kurzzeitendlager“ Asse noch geborgen werden konnte, vorübergehend in „absolut sicheren“ Zwischenlagern deponiert wurde – freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Iran und Nordkorea...

Und ein Truppenabzug aus Afghanistan steht momentan sowieso nicht zur Debatte, nachdem der deutsche Wiederaufbaueinsatz doch gerade kurz vor dem entscheidenden Erfolg steht. Erst vor ein paar Tagen konnte wieder einmal ein Talibankämpfer getötet werden, der sich in einer Kleinstadt verschanzt hatte. Die Kanzlerin äußerte sich diesbezüglich bereits dahingehend, dass dies ein großartiger Erfolg für den Wiederaufbau Afghanistans sei, sie es aber gleichzeitig auch bedauern würde, falls bei der Zerstörung besagter Kleinstadt auch unbeteiligte Zivilisten ums Leben gekommen sein sollten.
Auch die Verteidigungsministerin stellte in Aussicht dieses möglicherweise zu bedauern – auch wenn sie es für äußerst unwahrscheinlich halte, dass es in Afghanistan überhaupt noch Zivilpersonen gäbe, die zu Schaden hätten kommen können. Außerdem, betonte sie noch, möchte sie unbedingt feststellen, dass in Afghanistan kein Krieg herrsche – nur vorausgesetzt irgendjemand käme auf den vollkommen abwegigen Gedanken etwas Derartiges zu vermuten...


Insgesamt ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass dieser Wahlkampf eine Ausnahme in der langen Reihe der vergangenen Wahlkämpfe darstellen und noch irgendwie interessant werden wird. Spannend bleibt nur die Frage, ob es nach der Wahl zu einer Neuauflage von Schwarz-Rot kommen wird, oder ob es nicht doch zu einer Großen Koalition kommt. Die Union hat sich hierbei noch alle Optionen offen gehalten, eine mögliche Rot-Rote Koalition ist jedoch von der Linkspartei bereits kategorisch ausgeschlossen worden, da die SPD einfach nicht regierungsfähig sei...

Veröffentlicht am 09.09.2009 von Rumo.

KommentierenArtikel kommentieren oder Trackbackmanueller Trackback


Ähnliche Artikel


blogoscoop