Das Bayern-Duell

Vor 5 Jahren, als Edmund Stoiber für das Amt des Ministerpräsidenten kandidierte, weigerte sich dieser, seinem Herausforderer in einem sogenannten TV-Duell zu stellen - das hielt er wohl für unter seiner Würde. Jetzt aber hat sich die CSU so weit herunter gearbeitet, dass sie schon wieder auf Sichtweite zur SPD gekommen ist - und deshalb musste sich Beckstein am letzten Donnerstag mit Franz Maget duellieren..


Ein Duell, so definiert das zumindest Wikipedia, ist „ein freiwilliger Zweikampf mit gleichen, potenziell tödlichen Waffen, der von den Kontrahenten vereinbart wird, um eine Ehrenstreitigkeit auszutragen. Das Duell unterliegt traditionell festgelegten Regeln“. Tradition wird in Bayern ja schon immer groß geschrieben und das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten gilt auch als große Ehre, also war es eigentlich nur konsequent, dass sich eine gute Woche vor der bayerischen Landtagswahl Ministerpräsident Günter Beckstein und Herausforderer Franz Maget zu einem (TV-) Duell getroffen haben.

Dr. Günther Beckstein bei einem Diskussionsabend des RCDS in Würzburg

Dr. Günther Beckstein bei einem Diskussionsabend in Würzburg; Fotograph: VisualBeo

Ein großes Ereignis war diese „Premiere für ganz Bayern“ für den Bayerischen Rundfunk und so hat sich zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr der Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens Sigmund Gottlieb (zu diesem später) persönlich mit den beiden Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten getroffen um mit diesen über eine breite Palette an Themen zu sprechen: die absolute Mehrheit der CSU, Wirtschaftspolitik und der Münchner Flughafen, soziale Gerechtigkeit und die Pendlerpauschale, Atomausstieg, Bildung, Innenpolitik und zum Schluss auch noch mögliche Koalitionen – ein etwas sehr großes Themenspektrum für eine schlappe Dreiviertelstunde.

Angefangen aber hat das Duell mit einem kurzen Statement beider Kandidaten und mit Ministerpräsident Beckstein, der mit seinem extrem wie ein schlechtes Schülerreferat anmutenden Vortrag schon einen guten Vorgeschmack auf die restlichen 45 Minuten gab. Wie auswendig gelernt leierte er in 1:20 fast ohne jede Betonung eine Potpourri der abgedroschensten CSU-Wahlkampfphrasen herunter, die sich auch einfach zusammenfassen ließen mit: Bayern ist spitze – dank CSU! Auch im weiteren Verlauf gibt Beckstein kaum etwas anderes als heiße Luft von sich: Diese besteht insbesondere aus inhaltsleeren Zahlen (z.B. irgendwelche Durchschnittszahlen zu Klassenstärken, die jedoch nur bestätigen, dass die Klassen zu groß sind, was aber nicht so schlimm sei, da es ja Wahlunterricht gebe – Hä?), dem konsequenten Ignorieren auch nur ansatzweise kritischer Fragen (wie die Frage nach der Endlagerung, die er einfach mit einem Verweis auf die Zuständigkeit des Bundes abtut) und dem Schönreden von CSU-Politik und Umfrageergebnissen. Nur kurzzeitig wird er wirklich emotional, als er keine Antwort auf die Frage weiß, wohin die CSU die neuen Atomkraftwerke bauen wolle, die unsere Energie Versorgung für die Zukunft sicher sollen. Statt darauf einzugehen bezeichnet er Franz Maget indirekt als jemanden, der entweder ein Verleumder sei oder nicht alle Tassen im Schrank habe – welch’ hohe Rhetorik …

Die im Grunde nicht vorhandene Reaktion auf diese Provokation zeigt auch schon deutlich, wie sich der Herausforderer in diesem Duell geschlagen hat – gar nicht nämlich! Der war so brav – man hätte meinen können, wir hätten in Bayern auch schon eine große Koalition. Immerhin, so hat es zumindest den Anschein, war er deutlich besser vorbereitet als sein Konkurrent von der CSU und wusste zumindest zeitweise ein wenig Interesse beim Zuschauer zu wecken. Nichtsdestotrotz fehlten einfach echte Angriffe auf die CSU-Regierungen, obgleich deren mannigfaltiges Versagen in letzter Zeit (Landesbank, G8, Nichtraucherschutz, usw.) noch genug Angriffsziele geboten hätte – da hätte man gerade von einem Oppositionspolitiker schon etwas mehr erwarten können. Manchmal konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, dass Franz Maget nach den Jahren auf der Oppositionsbank jedwedes Rebellentum aufgegeben hat. Besonders deutlich wurde dies, als Beckstein behauptete die SPD wolle die Grundschule abschaffen, und Magets sowieso schon kümmerlicher Protest gegen diese abwegige Behauptung vom Moderator einfach unterdrückt werden konnte.

Apropos Moderator: Eigentlich sollte man ja erwarten können, dass sich der Moderator in einer solchen Diskussion möglichst neutral verhält, und gerade beim Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens könnte man doch hoffen, dass dieser weiß, dass Objektivität eine der wichtigsten Tugenden eines jeden Journalisten ist. Umso enttäuschender war es, dass sich Sigmund Gottlieb nicht einmal die Mühe zu machen schien, die enge Verbindung des Bayerischen Rundfunks mit der Regierungspartei zu verbergen: Nicht nur dass die an Beckstein gerichteten Fragen fast durch die Bank deutlich weniger kritisch klangen als die an Franz Maget, er ließ auch jede noch so abwegige Behauptung des Ministerpräsidenten einfach so im Raum stehen und hackte nicht einmal dann nach, wenn Fragen (wie die nach dem Sinn des Flughafenausbaus oder die nach der Endlagerung) einfach ignoriert wurden. Außerdem wurde dem CSU-Kandidaten, immer wenn er das wünschte, gestattet, noch "kurz mit einem Satz" (durften dann aber auch gerne mal 10 oder mehr sein) auf die Antwort seines Konkurrenten einzugehen, wogegen diesem das immer mit Verweis auf die kurze Sendezeit verwehrt wurde. Kurz, mit echtem Journalismus hatte das nur noch am Rande zu tun, und ich finde Sigmund Gottlieb sollte es besser seinem Kollegen Alex Dorow von der Rundschau nachtun und gleich zur CSU wechseln – das wäre zumindest ehrlich.

Aber nicht nur der Moderator, das ganze Sendekonzept war ziemlich eindeutig auf eine Bevorzugung der CSU ausgelegt: So war Franz Maget fast ausnahmslos derjenige, der zuerst gefragt wurde, womit Beckstein den Vorteil hatte auf die Vorwürfe des Herausforderers einzugehen, während dem SPDler im Verlauf der gesamten Sendung nur ganze zwei mal (!) dieser Vorteil zu Teil wurde. Gänzlich lächerlich wurde das Ganze zum Schluss noch dadurch, dass zwar auf die Sekunde genau die Redezeiten gestoppt worden waren, aus der Feststellung aber, dass Günter Beckstein 1:40 länger (immerhin ~10% mehr) geredet hatte als Franz Maget, keinerlei Konsequenzen gezogen wurden – obwohl es doch ein Leichtes gewesen wäre, dem Benachteiligten als Ausgleich z.B. das Schlusswort zu überlassen. Was wohl passiert wäre, wenn Maget länger geredet hätte?

Viel übrig bleibt von diesem Duell am Ende jedenfalls nicht, außer dem dumpfen Gefühl 45 Minuten des eigenen Lebens verschwendet zu haben. Zur Wahlentscheidung dürfte es wohl kaum beigetragen haben und ein echtes Duell war es schon gleich gar nicht. Denn das Wort als die gewählte Waffe war ganz sicher nicht tödlich – nicht einmal potentiell, es sei denn es hätte jemanden zu Tode gelangweilt ...

Wer das Duell trotzdem gerne "nachsehen" möchte kann dies auf der Seite des Bayerischen Rundfunks tun, deutlich hörenswerter wäre allerdings die Zusammenfassung des Kabarettisten Erwin Pelzig, die ich bei Stoibär entdeckt habe.

Veröffentlicht am 23.09.2008 von Rumo.

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