Und wer rettet die Zukunft?

Man könnte fast meinen, es wäre Wahlkampf – wenn man in den letzten Tagen mal aus Versehen in ein Politikerinterview reingezappt hat. Das mit der Wirtschaftskrise scheint dagegen irgendwie eine Fehlinformation gewesen zu sein – oder wie ist diese allgegenwärtige Spendierlaune sonst zu erklären?


Stolze 50 Milliarden Entlastung verspricht die Union da dem Wähler Bürger für die nächste Legislaturperiode. Dass sie damit Begeisterungsstürme auslösen wird, steht für sie dabei offenbar jetzt schon genauso fest wie, dass sie dann erneut die Regierung stellen wird. Denn mit einem „Wahlprogramm“ gibt sie sich erst gar nicht ab und bringt stattdessen gleich ein „Regierungsprogramm 2009-2013“ heraus. Wer könnte, denken sie sich wohl, auch ein derart verlockendes Angebot ablehnen? Mehr Kindergeld, mehr Bildung, mehr Familienförderung – und das alles bei weniger Steuern! So was bekommt man nicht mal bei der Linken!
Und für mich bleibt da eigentlich nur noch eine Frage offen:

Halten die uns tatsächlich für so dumm, für wie die uns hier verkaufen wollen?

Offenbar, ja! Deren Vertrauen in die bildungssenkende Wirkung von BILD, RTL und G8 geht sogar so weit, dass sie für die Wahl im September anscheinend auf eine totale geistige Sonnenfinsternis beim Wähler setzen und noch nicht einmal den Ansatz eines Versuches unternehmen eine wie auch immer geartete Gegenfinanzierung vorzulegen. Stattdessen hofft man wohl einfach darauf, dass niemand auf die abwegige Idee kommt, die Umsetzbarkeit ihres Programms auch noch zu hinterfragen.
Innerhalb der Union herrscht zu diesem Thema mittlerweile offenbar ein regelrechtes Diskussionsverbot und, wenn es doch einmal jemand wagt, die Worte „Steuern“ und „Erhöhung“ irgendwie in Verbindung miteinander auszusprechen, muss derjenige wohl schon froh sein, wenn sich die große Vorsitzende mit einem demütigen Widerruf zufrieden gibt und nicht auf den sofortigen Parteiausschluss besteht.

Als dann noch der derzeitige Finanzminister im heute-journal mehr oder weniger unumwunden zugab, dass man zwar selbstverständlich nach der Wahl Steuern erhöhen und Ausgaben kürzen müsse, dies aber vor der Wahl leider nicht aussprechen könne, dachte ich der Gipfel der Unverschämtheit wäre endgültig erreicht - bis plötzlich ein Pofalla vor mir auftauchte und mal eben jedwede Steuererhöhung für die nächsten 4 ½ Jahre kategorisch ausschloss.
Da weiß man als Bürger und potentieller Wähler wirklich nicht mehr, ob man jetzt lachen, weinen oder Amoklaufen soll. Was für ein Glück, dass unsere Volksvertreter wenigstens bei der angeblichen Verschärfung der Waffengesetze keine populistischen Entscheidungen getroffen haben, sondern lieber den echten Lobbyisten Experten vertraut haben - sonst fiele selbst diese Wahlmöglichkeit weg!

Aber vielleicht sehen unsere Volksvertreter das alles ja auch einfach nur realistischer als wir - haben sich schon mit dem unvermeidbaren Ende Deutschlands abgefunden? Sind nur noch als Palliativpolitiker tätig und sagen sich: Wenn’s eh schon zu Ende geht, dann können wir davor doch wenigstens noch ein letztes Mal richtig auf den Putz hauen.
Aber selbst wenn es so wäre, wäre ein wenig mehr Offenheit nicht schlecht. Denn einem todkranken Patienten gegenüber sollte man doch zumindest ehrlich sein - damit er wenigstens noch sein Testament schreiben kann, um festzuschreiben, wer sein Erbe einmal ganz sicher nicht bekommen soll!

Aber wahrscheinlich werden sie’s uns genau deswegen nicht sagen. So können sie den Karren zuerst in aller Ruhe an die Wand fahren, mit ihrer Staatskarosse Fahrerflucht begehen und sich dann mit einer üppigen Rente und einem kleinen Nebenjob bei Gasprom und Konsorten irgendwo im Ausland zur Ruhe setzen.
Auf dem Schuldenberg werden dagegen wir sitzen bleiben – und ich bin mir sicher, auf diesem wird Platz genug für uns alle sein. Und zum Zeitvertreib gibt's für jeden gute 1000 Seiten Quelle-Katalog, mit lauter schönen Dingen, die wir kaufen könnten – wenn es noch irgendwo Geld gäbe…

Veröffentlicht am 01.07.2009 von Rumo.

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