Ja, ich gebe es zu – in den letzten Wochen habe ich immer öfter sehnsüchtig an die Zeiten mit ihm zurückgedacht – an die Zeiten mit George Bush dem Doppelten. Jetzt nicht, weil ich ihn so toll fand oder mir seine Politik so gut gefallen hat, aber ein Vergleich unserer Politiker mit ihm, das hat halt immer so schön aufbauend gewirkt…
Aber heute? Heute möchte ich immer am liebsten weghören, wenn irgendwelche Nachrichten aus den USA kommen; weil man da ja nur depressiv davon wird. Die haben’s gut: Einen jungen, dynamischen und zukunftsorientierten Präsidenten! Und was haben wir?
Angela Merkel - eine Kanzlerin, die seit 4 Jahren im Großen und ganzen nichts tut, deren einziges gehaltenes Wahlversprechen darin besteht, die Mehrwertsteuer erhöht zu haben und die dafür von 51% der Deutschen für die bessere Kanzlerin gehalten wird.
Gut, man sollte vielleicht dazu sagen, dass die Alternative Frank-Walter Steinmeier heißt, weshalb man das kaum als echte Wahl bezeichnen kann, sondern es mehr wie eine Entscheidung zwischen Cholera und Pest ist, aber trotzdem...
Früher, da war das noch so einfach: Wenn man mit den gewählten Volksvertretern, deren Politik oder einfach der Gesamtsituation unzufrieden war (also im Grunde immer), musste man nur kurz schauen, was in den USA gerade so los ist – und schon war man wieder heilfroh über das, was bei uns regiert. War auch immer eine super Ausrede – wenn irgendwas auf der Welt schief lief, schuld waren natürlich die dummen Amis! Hunger, Wirtschaftskrise, Umweltverschmutzung, Terrorismus, Privatfernsehen – schuld waren immer die Amis!
Zugegeben – unsere Banken waren mindestens genauso gierig wie die amerikanischen, und gerade unsere Landesbanken waren ganz vorne mit dabei, wenn es darum ging Rendite und Risiko zu maximieren. Aber das war doch nicht unsere Idee mit diesem bösen Turbkapitalismus – den haben doch die Amerikaner erfunden und uns vor 60 Jahren damit infiziert – da können wir doch nichts dafür!
Gut, wir haben auch nichts für den Umweltschutz getan – aber doch nur, weil der Bush nicht mitgemacht hat, und es ohne Amerika ja eh keinen Sinn gehabt hätte. Und auch die Merkel hat doch ihr Möglichstes getan und auf jedem noch so kleinen Gipfel alle anderen Länder ermahnt, dass sie endlich etwas tun müssten, gegen den Klimawandel. Und wir hätten da auch ganz sicher mitgemacht, wenn nur die Amerikaner angefangen hätten! Ist doch nicht unsere Schuld, dass die nicht den ersten Schritt getan haben!
Okay, ein paar Agenten vom BND waren auch dabei, als der CIA seine Gefangenen „verhört“ hat. Aber gefoltert haben nur die Amerikaner – wir haben nicht gefoltert, sondern nur die dabei gemachten Aussagen aufgeschrieben. Und das hätte doch auch nichts geholfen, wenn man sie nicht verwendet hätte, nur weil sie unter Folter entstanden sind. Wir haben die Menschenrechte nie verletzt!
Egal um was es ging, der Schuldige saß immer im weißen Haus und hörte auf den Namen George W. Bush.
Aber jetzt? Jetzt haben die einfach einen neuen Präsidenten gewählt, einen Schwarzen, der auf den Namen Barack Obama hört, und plötzlich sind die USA die Guten: Sie sind gegen den Turbokapitalismus, für Umweltschutz und gegen Folter. Sogar das Gefängnis Guantanamo möchte Obama nun schließen.
Das haben wir alle zwar schon jahrelang gefordert, aber wer hätte denn ahnen können, dass das wirklich mal jemand macht. Und jetzt will Obama auch noch, dass wir ihm dabei helfen, indem wir auch ein paar Gefangene bei uns aufnehmen. Das kommt aber selbstverständlich überhaupt nicht in Frage. Denn, meint der Schäuble, wer 5 Jahre lang zu Unrecht in Guantanamo gewesen ist, der ist dadurch natürlich noch viel gefährlicher geworden als ohne eine solche Leidenszeit. Logisch, und deswegen sollte man die auch lieber gleich eingesperrt lassen! Aber nein, Obama will unbedingt den Gutmenschen spielen und sie freilassen.
Und Umweltschutz will er jetzt auch noch betreiben, der Obama. Da ist unsere Bundeskanzlerin natürlich etwas überrumpelt – so hat sie das doch auch wieder nicht gemeint. Nur weil sie sagt, man müsse etwas für das Klima tun, heißt das doch noch lange nicht, dass da auch Deutschland mitmacht. Das könnte ja Arbeitsplätze kosten!
Überhaupt, diese ganzen Reformen in den USA – das geht halt viel zu schnell für unsere arme Große Koalition, die in den letzten 4 Jahren nicht nur eine „Politik der ruhigen Hand“, sondern auch gleich eine des stehenden Fußes, des schlafenden Kopfes und der großen Klappe gepflegt hat. Da kommt sie einfach nicht mehr mit.
Vermutlich ist sie ja noch nie mitgekommen – nirgendwo! Aber früher hat man das halt nicht bemerkt, weil niemand da war, der es besser machte, sondern nur einer, der es noch schlechter machte. Und da war man dann wieder froh, dass man wenigstens diejenigen hatte, die es nur ein bisschen schlecht machten. Das waren noch Zeiten.
Aber jetzt – jetzt sind uns die Augen aufgegangen und wir erkennen, dass auch wir die Regierung haben, die wir verdienen. Keine schöne Erkenntnis! – manchmal wäre es schöner die Augen geschlossen zu halten, denn dann könnte man wenigstens noch träumen. Träumen - davon, dass alles besser sein würde, wenn, ja wenn nicht immer die Amerikaner im Weg wären – und man nicht die Augen öffnen müsste um zu sehen, dass man sich vielmehr selbst im Weg liegt und man selber aufstehen müsste, um in eine bessere Zukunft gehen zu können.
Und darum wünsche ich ihn mir zurück – den Bremsklotz auf dem Weg in die Zukunft, den Sand in den Augen der Erkenntnis und den Sündenbock für alles:
Ich wünsche mir George W. Bush zurück…