Das Glühbirnen-Dilemma

Die Europäische Union will die Menschen zum Energiesparen zwingen. Dass dies ausgerechnet mit einem Verbot herkömmlicher Glühbirnen geschehen soll, sorgt für Unmut. Gegen Energiesparlampen gibt es nach wie vor Bedenken: Sie enthalten Quecksilber. Ihr Licht wirkt unnatürlich und ist ungesünder als herkömmliches Glühbirnenlicht.


Die Menschen in den Industriestaaten verbrauchen zu viel Energie. Damit steigt zugleich auch der Verbrauch fossiler Brennstoffe an. Dies ist erstens nicht für die Umwelt gut, und kann zweitens auch nicht ewig weitergehen. Aber auch die Flucht zur Atomenergie ist nicht gerade das Wahre. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien ist daher Energie sparen notwendig.

Doch freiwillig sparen nur wenige Energie — das wirksamste Argument sind hier noch die Kosteneinsparungen, welche mit einem geringeren Energieverbrauch verbunden sind. Doch selbst so einfache Dinge wie das Abstecken von elektrischen Geräten anstelle des Standby-Modus scheint von manchen Menschen noch zu viel verlangt.

Und so ist es eigentlich begrüßenswert, wenn die Europäische Union gegen unnötige Energieverschwendung vorgehen will. Das neueste EU-Vorhaben sieht ein Aus für ineffiziente Lichtquellen vor. Davon betroffen ist auch die klassische Glühbirne, welche von 2009 bis 2012 schrittweise aus dem Handel verschwinden soll. Auch in anderen Ländern wie Kalifornien, Neuseeland, Australien und der Schweiz gibt es bereits ähnliche Beschlüsse.

Unbestreitbar ist, dass die Energieeffizienz der Glühbirnen zu wünschen übrig lässt, gerade 5% der Energie werden tatsächlich in Licht umgewandelt. Die höheren Anschaffungspreise der Energiesparlampen gleichen sich aufgrund der Energieeinsparungen und der höheren Lebensdauer im Laufe der Zeit aus (auch wenn die versprochene Lebensdauer nur theoretischer Natur ist, und gefühlsmäßig deutlich niedriger ausfällt). Allerdings stellt sich die Frage: Warum konnte sich die Energiesparlampe auf dem freien Markt nicht durchsetzen, obwohl sie angeblich so vorteilhaft ist? Liegt es nur daran, dass die Menschen irrational sind und sich von den Anschaffungspreisen abschrecken lassen?

Tatsächlich haben die Energiesparlampen einige Haken. Zuerst wäre da einmal die Quecksilber-Belastung. Ist es wirklich wünschenswert, Energie zu sparen, indem wir Giftmüll anhäufen? Die Erfahrung zeigt: Der Mensch neigt dazu, ein Problem auszuräumen, indem wir neue Probleme schaffen. Atomkraft statt fossiler Energie, Pestizide und Gentechnik sind da nur eine kleine Auswahl an Beispielen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland begrüßt übrigens das Aus für die Glühbirnen, fordert aber auch eine Reduktion des Quecksilber-Gehalts und merkt an, dass Energiesparlampen mehr Elektrosmog erzeugen als herkömmliche Glühbirnen.

Allerdings darf angezweifelt werden, dass Umwelt-Bedenken den durchschnittlichen Menschen vom Konsum abhalten. Viel mehr liegt es wohl daran, dass das Licht von alternativen Lichtquellen als unangenehm und zu schwach empfunden wird. Was von den Befürwortern der Energiesparlampen natürlich vehement abgestritten wird - welche Argumente hier richtig sind, ist selbst für interessierte Konsumenten nur schwer nachvollziehbar. Tatsache dürfte sein, dass herkömmliche Glühbirnen dem natürlichen Lichtspektrum viel näher kommen. Dieses ist für das menschliche Auge viel gesünder als das Licht der Energiesparlampen, in dem Blau-/Violettanteile überwiegen.

Ich stelle daher einmal die provokante Frage: Ist eine erwartete Energieeinsparung von 1-4% in Privathaushalten (je nach Quelle) trotz ihrer geringen Wirkungsfähigkeit wirklich mehr wert als unsere Gesundheit? Steht das nicht im krassen Widerspruch zu anderen Gesetzesvorhaben, die uns um jeden Preis einen gesünderen Lebensstil aufzwingen wollen — Stichwort Raucherschutz (dem ich als Nichtraucher grundsätzlich positiv gegenüberstehe)? Und warum geht man dann nicht gegen die Spritfresser unter den Autos wesentlich vehementer vor (ja, wohl zum Schutz der heimischen Autoindustrie), warum wird nicht gegen die unnötige Ganztages-Beleuchtung von Geschäftsauslagen vorgegangen? Fragen über Fragen ...

Veröffentlicht am 09.12.2008 von Thomas.

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