Horst Seehofer rettet die Welt

Horst Seehofer, neuer Ministerpräsident Bayerns, verspricht der Tagen vieles. Aus gutem Grund, muss man doch schon für das Wahlergebnis 2012 vorsorgen - eine weitere Blamage wäre ja auch ... nunja, blamabel...


... so oder so ähnlich könnten tatsächlich aktuelle Schlagzeilen über Horst Seehofer lauten. Denn er ist der Mann, der einfach alle Wünsche erfüllen kann. Gut, der rote Mantel und der Rauschebart fehlen noch, aber ansonsten ist er auf einem guten Weg.

Doch was ist passiert? Der ehemalige Gesundheitsminister (1992-1998) und wenig später mit dem Amt für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (2005-2008) betraute gebürtige Ingolstädter verteilt aktuell Gesetzeslockerungen wie der Weihnachtsmann Zuckerstangen. Kurz nach der desaströsen Wahl 2008 in Bayern, nach der die CSU im Freistaat nur noch mit Hilfe der FDP regieren konnten (wir berichteten), kündigte Seehofer unlängst an, das Nichtraucherschutzgesetz zugunsten von Kneipen wieder zu lockern. Natürlich, muss man doch einem Stimmstarken Klientel ein Angebot unterbreiten, das es nicht ablehnen kann – Vorsorge für die nächste Wahl schon nach der letzten. Es erscheint logisch, dass sich ein ehemaliger Gesundheitsminister eigentlich solche Bonbons nicht erlauben kann – eigentlich.

Besser war da noch Seehofers neuester Vorschlag: Neue Kredite für uninnovative deutsche Autobauer und zudem ein Aussetzen der CO2-Grenzwerte für Neuwagen.

Das Kalkül ist einfach: Bayern beheimatet viele Autobauer, viele Autobauer = viele Arbeitsplätze = viele Steuern = politischer Einfluss. Wen stört es da schon, dass die deutsche Autoindustrie seit Jahren der Technologie aus Japan hinterherhinkt. Kaum Hybrid-Modelle, nur wenige Modelle unter 130g CO2/km und spritsparend ist auch was anderes. Es ist ja nicht die Schuld der Autobauer aus der Heimat von Carl Benz, Gottlieb Daimler und Adam Opel, sondern die der bösen Umweltschützer. Mussten die doch mit so „spinnerten“ Ideen wie „Globale Erwärmung“ um die Ecke kommen und, ach du grüne Neune, mussten die Spritpreise so stark steigen.

Das die namenhaften Tycoons der Autoindustrie das nicht vorhergesehen haben wie japanische Konkurrenten kann man ihnen wirklich nicht anlasten, auch, dass sie seit Bekanntwerden der Problematik 2006 nicht mit innovativen Konzepten, sondern verschleierten Messwerten aufwarten, ist nicht ihre Schuld. Auch den Trend zu billigen Automobilen, die sich tatsächlich das Volk leisten kann, wurde verschlafen. Kleinwagen statt Luxuslimousine ab 27.000€… Deswegen ist es folgerichtig, das Gesetz des Marktes durch Kredite und Lockerung der Auflagen auszuschalten: Heute besteht halt nicht mehr der innovativste und absatzstärkste Konzern (immerhin stehen allerorten die Bänder still), sondern der mit der größten politischen Geltung. Horst Seehofer hat das kleine 1mal1 des Versprechens und Belohnens offensichtlich gut verstanden…

Veröffentlicht am 01.12.2008 von Raphael.

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