Bayern: Der Tag nach der Wahl

In den Tagen nach der Katastrophe wird den Betroffenen nur allmählich das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich. Erste Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen werden laut und einige Beschuldigte haben bereits die Konsequenzen gezogen. Noch aber traut sich kein Nachfolger in die Parteizentral, da weitere Nachbeben nicht auszuschließen sind und es ist noch völlig unklar, wann der Freistaat sich von den gewaltigen Erschütterungen durch den Stimmeneinsturz vor einer Woche erholen wird ...


Wahlergebnis in Bayern 2008

Da staunt der Fachmann und der Bayer wundert sich: Die CSU weit unter 50%, ja wo gibt’s denn so was? Nun, seit letztem Sonntag im bayerischen Landtag! Dass es für die CSU diesmal nicht so wahnsinnig gut laufen würde, das war wohl allen klar (außer Beckstein und Huber vielleicht), aber mit solch einem Ergebnis hatten nicht einmal die pessimistischsten Meinungsforscher gerechnet. Und so ließen die Journalisten seit dem Wahlabend eine ganze Armada an Naturkatastrophen über unser schöne Bayernland hereinbrechen: Von Erdrutsch über Erdebeben bis hin zu einem Tsunami - alles war dabei und es schien, als sollte da der Untergang des christlichen Abendlandes geradezu herbeigeschrieben werden.

Dabei ist es doch gar nicht so schlimm — zumindest im Vergleich zum derzeitigen Kurssturz an den Aktienmärkten. Da hat es nämlich auch ganz ordentlich gerumpelt, und so manch einer meint, dies seien nur die ersten Vorboten des richtigen Gewitters. Bei der CSU dagegen ist das Auge des Orkansvermutlich schon vorbeigezogen und das Schlimmste – sprich Beckstein, Huber und Hadertauer - scheint überstanden.

Es war ein Jahrhundertgewitter, oder zumindest ein Halbjahrhundertgewitter, denn gut 50 Jahre ist es her, dass die CSU ein ähnlich schlechtes Ergebnis eingefahren hat und erst zweimal in ihrer gesamten Geschichte stand das Wasser der CSU höher. Damals aber streckte dafür die SPD ihren Kopf aus dem Wasser, heute dagegen hat sie den Kopf aus Angst vor dem Donner nur umso tiefer eingezogen und ist nun völlig in den Fluten verschwunden.

Dort unten ist sie dann einigen schon längst vergessen geglaubten Oppositionsleichen begegnet, die der Sturm wieder kurzzeitig nach oben gespült hatte. Auch einige neue Tiefseegründler, die sich Freie Wähler nennen, wurden aus weiter Ferne herbeigetrieben. Und schon glaubt sich die SPD in der Lage, alle zu einen und den gestutzten Riesen CSU gänzlich unterzutauchen. Dabei übersieht sie (vermutlich wegen des aufgewirbelten Schlamms in den Augen) nur, dass ihre Mitkonkurrenten, anstatt auf das Signal der Genossen zu hören und sich zum letzten Gefecht zu sammeln, eher immer weiter auseinander treiben. Somit wird es der CSU, sobald erst wieder ein Kopf auf ihren Schultern sitzt, ein Leichtes sein, auf einen der im Schlamm ziellos Umherrschwimmenden zu steigen und mit dieser kleinen Stützte wieder zu alter Größe emporzusteigen.

Der Kopf der CSU aber ist, wie gesagt, erstmal ab. Genauer gesagt: die beiden Köpfe, die schon vor dem Sturm nur noch locker auf dem geschwächten Riesenkörper saßen, sind nun endgültig vom Rumpf gerissen worden, treiben derzeit noch ein wenig auf dem trüben Wasser umher, werden aber vermutlich schon bald darin versinken und dann mit all den anderen vom Sturm Aufgewirbelten als Sedimentschicht auf dem Boden der Tatsachen landen. Schlussendlich wird von ihnen nicht viel mehr bleiben als kleine Fossilien in der langen Ahnenhalle Bayerns. Geschadet haben dürfte diese radikale Operation der CSU aber nur kaum – schließlich stinkt der Fisch, wie man so schön sagt, immer vom Kopf her – und wenn der erstmal ab ist, dann ist der Rest vielleicht noch zu retten. Mit dem Umetikettieren von Gammelfleisch hat man in Bayern ja Erfahrung.

Also sucht die CSU jetzt einen neuen Kopf und für das kommende Casting haben sich auch bereits 3 Kandidaten angemeldet. Die besten Chancen wird wohl jemand haben, der sich nicht so quer gegen den Wind stellt, sondern sich immer schön wie ein Wetterhahn mit dem Wind dreht. Und da hat Horst Seehofer natürlich bei weitem das beste Blatt. Denn mit Hähnen kennt sich unser Landwirtschaftsminister, der nebenbei auch gerne den Hahn im Korb spielt, sowieso aus und drehen kann der sich, dass man dank seiner Windkraft ein ganzes Atomkraftwerk einsparen könnte.

Mit den Oppositionsparteien käme er auch prima aus: Mit Frau Paulis Ehe auf Zeit zum Beispiel könnte er sich sicher ohne Weiteres anfreunden. Und zeitlich begrenzt wird auch die noch zu bildende Koalition sein, denn sobald erst wieder Partei und Freistaat in Personalunion vereinigt sind, wird die CSU schnell wieder erstarken und erneut wie der Fels, auf den Bayern gebaut wurde, in der Brandung stehen, während die vielen Partikel, die der Sturm aufgewirbelt hat, sich nach und nach wieder absenken und in der Bedeutungslosigkeit versinken werden.

So ist das ganze wohl eher kein Weltuntergang, sondern lediglich eine ordentliche „Watschn“ g’wesen die der Bayer seiner CSU da verpasst hat. Davon mag sie vorübergehend ein wenig angeschlagen, vielleicht sogar ein wenig niedergeschlagen sein, aber so eine kleine Rauferei zwischendurch gehört in Bayern eben zur Tradition wie’s Rauchen und Saufen und wenn man sich da mal eine blutige Nase holt, dann wird das auch bald schon wieder verheilt sein…

Veröffentlicht am 07.10.2008 von Rumo.

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Kommentare

Raphael schrieb am 10.10.2008, 11:31 ( #1 )
Schon witzig, dass aufgrund des Debakels das Nichtraucherschutzgesetz als Grund angenommen wird. Da wird der amtierende Verbraucher und ehemalige Gesundheitsminister schnell zum Raucherlobbyisten; weil es scheinbar populär im Volke ist. Da sieht man, dass ein Gesundheitsminister schnell mal seine Meinung ändern.
Nicht sehr seriös, Herr Seehofer.
Rumo schrieb am 10.10.2008, 18:05 ( #2 )

Ja, der liebe Seehofer - der bringt es auch fertig und ist im Bund für die Gentechnik, in Bayern aber dagegen (und er gibt das auch noch zu)...

Aber mit der Einschätzung, dass das Nichtraucherschutzgesetz mit zur Niederlage beigetragen hat, liegen sie mMn leider gar nicht so weit daneben. Denn im Gegensatz zu Nichtrauchern, haben Raucher eine starke Lobby.

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