Wenn Christen, Moslems, Rastafaris und haufenweise Menschen anderer Religionen an einem Abend gezielt zusammenkommen, dann muss es dafür einen guten Grund geben. Um einen Zufall handelte es sich jedenfalls nicht, als am Abend des 24. Januars 550 Leute aus ganz Bayern nach Dillingen an der Donau pilgerten. An diesem Sonntag war in der Stadthalle nämlich ein ganz besonderer Herr zu Gast – Hans Söllner aus Bad Reichenhall.
Einer der wohl bekanntesten Musiker und Kabarettisten aus Bayern kam also ins schöne Schwabenland. Direkt aus seiner Heimatstadt, die vor gut 4 Jahren durch den tragischen Einsturz einer Eislaufhalle in ganz Deutschland bekannt wurde. Der Unfall im Kurort forderte 15 Menschenleben und noch heute ist die Schuldfrage nicht vollständig geklärt.
Dem guten Ruf des bayerischen Bob Marley, wie Söllner auch genannt wird, war also eine komplett ausverkaufte Dillinger Stadthalle zu verdanken. Dem Anschein nach lag die Auslastung sogar über 100 Prozent, denn einige Gäste mussten sich auf den Treppen niederlassen oder die Show im Stehen genießen.
Dieses kleine Problem schadete dem Auftritt des Oberbayers aber keineswegs. Mit Kopftuch, Gitarre und der aktuellen Ausgabe des Boulevardblattes „Bild am Sonntag“ bewaffnet, kam er auf die Bühne und schon nach wenigen Minuten war wohl allen Besuchern klar, dass dies ein sehr schöner Abend werden sollte.
Der selbsternannte „Polizeiwitze-Erfinder“ machte seinem Namen alle Ehre und gab einige Tipps mit dem Umgang gegenüber unserer Freunde und Helfer zum Besten. So könnte es zum nächsten Weihnachtsfest gut passieren, dass einige verhasste Schwiegereltern eine Hausdurchsuchung geschenkt bekommen.
Ganze 41 Minuten dauerte es, bis der Mann des Abends das erste Lied, übrigens mit Unterstützung seiner Band „Bayaman’Sissdem“, anstimmte. Diese Zeit überbrückte Söllner gewohnt Gesellschaftskritisch und vor allem unsere Deutschen Politiker wurden des Öfteren als Zielscheibe verwendet. So machte er beispielsweise Bundeskanzlerin Angelika Merkel prompt zum Mann in rosa Schweinchenhaut oder Band Reichenhalls Bürgermeister Dr. Herbert Lackner zum unbekannten Wichtigtuer.
Mit Titeln wie „Lass fliag’n deine Dreads“ und „A Jeda“, die sich wie gewohnt an der Musikrichtung Reggae orientierten, wurde das Publikum zusehends begeistert. Als Hans Söllner dann seinen Hit „Mei Vodda hod an Mariuhanabaam“ präsentierte, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Niemanden in der Halle hielt es mehr auf seinem Platz und das Publikum zeigte sich sehr textsicher. Wohl darum beugte sich der bayerische Rastafari den lauten Rufen nach einer Zugabe und verlängerte die Show noch um insgesamt 30 Minuten.
Nach letztendlich fast drei Stunden beendete Söllner seinen Auftritt und bedankte sich noch einmal herzlich bei den, seiner Meinung nach, großartigen Zuschauern, die diesen tollen Auftritt erst möglich machten. Diese verließen nun nach und nach, sichtlich gut gelaunt, die Halle und freuten sich schon auf den nächsten Musik-Kabarett-Abend mit „ihrem“ Hans.