„Ich habe nichts gegen Hip-Hop, aber ich höre lieber Musik“. Dieser anfangs noch ganz amüsante Spruch dürfte mittlerweile so ungefähr am Ohr eines jeden Jugendlichen vorbeigegangen sein. Aber sind Hip-Hop und Musik wirklich so weit voneinander entfernt?
Allgemein kann man sagen, dass die Ursprungsform des Hip-Hop eine Weiterentwicklung des Gospels ist. Die von der Gesellschaft größtenteils ausgeschlossenen oder als „minderwertiges Leben“ betrachteten Afroamerikaner wollten ihre Unmut zum Ausdruck bringen und nutzten dazu alle Mittel die ihnen zur Verfügung standen – in diesem Fall nur ihre Stimme. Geld hatten sie kaum bis gar nicht, die Anschaffung von Instrumenten war also unmöglich. So gesehen besteht eigentlich so gut wie gar kein Unterschied zwischen Gospel und Hip-Hop, bei beiden liegt das Hauptaugenmerk auf dem Text, dazu kommen meistens recht einfache und einprägsame Melodien, die schon nach dem ersten Hören mitgesungen werden können. Quasi an sich schon ein Erfolgsgarant. Dazu kommen Texte, die vielen Leidensgenossen aus der Seele sprechen. Insofern kein Wunder, dass Hip-Hop sich so schnell verbreitet hat, auch wenn er an dieser Stelle noch weit weg davon ist, Millionen Dollar in die Kassen zu spülen und von der Kommerzialisierung noch keine Rede ist. Der Hip-Hop war hier vielmehr noch eine in sich geschlossene Kultur, deren Priorität mehr auf den Protest gelegt wurde als auf die Verbreitung.
Erst als jamaikanische Einwanderer in den Bronx anfingen, mithilfe mehrerer Plattenspieler Instrumentalstellen aus Reggae-Liedern durch Wiederholung in die Länge zu ziehen und darüber aus den Stegreif zu rappen, begann diese Art des Hip-Hop, populär zu werden. Der neu geschaffene musikalische Stil hatte sich innerhalb weniger Jahren etabliert. Der Stil hat sich mit der Zeit gewandelt, heute gibt es grob zwei Arten von Hip-Hop, eben den Hip-Hop im ursprünglichen Sinne und das, was häufig fälschlicherweise R’n’B genannt wird. Letzteres wollen wir für unsere Definition benutzen.
Ein gutes Beispiel für diese Musik sind The Product G&B, bekannt vor allem durch „Maria, Maria“, was sie zusammen mit Carlos Santana aufgenommen haben. Die beiden sind in der Lage, eine Passage fünfmal hintereinander ohne hörbaren Unterschied einzusingen, so dass selbst das Vibrato exakt übereinstimmt. Bei einem solchen Talent kann man wohl ohne Frage von Musik sprechen. Doch leider geben sich nicht alle Musiker und Produzenten so viel Mühe, weshalb viele Hip-Hop-Produktionen vielmehr auf Kommerz als auf musikalische Originalität abzielen. Dies ist dann auch in der fertigen Produktion hörbar. Und eben diese Produktionen liefern Hip-Hop-Gegnern dann den Stoff für den Vorwurf, Hip-Hop habe nichts mit Musik zu tun. Fazit ist also: In der Tat ist es bei vielen Produktionen, die heute auf dem Markt sind, mit dem Begriff „Musik“ weit hergeholt, jedoch gibt es ebenso Musiker, die sich noch um eine musikalisch nicht ganz einfältige Produktion bemühen. Nur leider werden die selten richtig bekannt.