Ich wollte heute nicht meine fiese "Freibier-Mentalität" raushängen lassen (O-Ton Vize-Chefredakteuer abendblatt) und plante deshalb, guten deutschen Qualitätsjournalismus einzukaufen. Denkste.
Die neue Ausgabe eines populären deutschen Nachrichtenmagazins erscheint immer Montag - und das Titelthema klang spannend. Vor der Schule war aber keine Zeit mehr gewesen, die neue Ausgabe zu kaufen. Und da ich durchaus über ein Girokonto verfüge dachte ich mir: Holste dir's ePaper.
Spätestens seit dem Amazon Kindle sind elektronische Schriftstücke ja im Trend. Und technisch gesehen kann es ja nicht so schwer sein, dem geneigten Leser die neue Ausgabe auch online anzubieten. Zuerst mal registrieren, kein Problem. eMail mit Passwort für Login kommt eine halbe Stunde später - aber okay. Dann der erste Witz: Das ePaper kostet genau 10 Cent weniger als die Printausgabe. Jetzt nicht der Rabatt, den ich mir erhofft hatte. Immerhin entfallen Kosten für Druck und Distribution (abzüglich umgelegte Betriebskosten der Server versteht sich) - außerdem gibt es keinen Mittelsmann wie zB den Kiosk, der mitverdient.
Da das ePaper in der kurzen Freistunde während der Schulzeit aber einfacher zu bekommen ist, mache ich trotzdem weiter. Ich hatte jetzt eigentlich ernsthaft erwartet, dass wenn ich beim besagten Magazin schon einen Account eröffne, ich meine Bankverbindung eintrage und wie bei Amazon direkt einkaufen
kann. Spräche nichts dagegen. Stattdessen muss ich mich bei einem externen Dienstleister anmelden, der quasi treuhänderisch eine Art Konto führt und über diesen soll ich dann bezahlen. Schön, dachte ich mir, PayPal hast du ja. Stand nur nicht zur Auswahl.
Bilanz: Ich soll mich zwei Mal registrieren, mich tausendmal durchklicken - und das für 10 Cent Rabatt und ohne die Garantie, dass der Bezahldienstleister nicht erst meine Bonität prüft oder die personenbezogenen Daten abgleicht. Da hab ich mir dann gedacht: Ihr könnt mich mal kreuzweise, hab mich zum Laden geschleppt und die Ausgabe gekauft. Ich frag mich nur, wie man mit diesem Vertriebsmodell ernsthaft bestehen will, im 21. Jahrhundert.
Man hätte die Vorteile des Direktvertriebs nutzen können: Ein wenig Rabatt zum Locken der Kunden, einfache Abwicklung. Zum Beispiel über einen Mehrwertdienst mit dem Handy (SMS, Rufnummer) die dann einen Key ausgibt, den man nur einzugeben braucht und der dann den Download freischaltet. Oder eben mich einfach meine Kontodaten eintragen lassen und los geht's. Na aber so nicht meine Freunde...