Seit 1994 das zivile Internet an den Start ging, hat es sich so sprunghaft entwickelt wie der Buchdruck nach Gutenbergs Druckmaschine. 64% der Deutschen sind laut Wikipedia bereits online, noch mehr besitzen einen Personal Computer. Viele haben die Entwicklung lange verschlafen und machen nun Anstalten, die digitale Revolution ins Stocken zu bringen.
Aus der Pressemitteilung des Informationskreis Aufnahmemedien, gekürzt
Durchbruch bei der Vergütungspflicht von Speicherkarten und USB Sticks
Bei ihrer Gesellschafterversammlung am 16. Juni 2009 in Düsseldorf haben die Hersteller und Importeure von Speichermedien die jüngsten Ergebnisse der Verhandlungen über Speicherkarten und USB Sticks zwischen den Verwertungsgesellschaften und dem Branchenverband Informationskreis AufnahmeMedien (IM) begrüßt.
Im Mai 2009 hatten sich die beiden Verhandlungspartner auf die Höhe der Vergütungssätze für Speicherkarten und USB Sticks geeinigt. Danach ist künftig für diese Speichermedien unabhängig von deren jeweiliger Kapazität ein Vergütungssatz von 0,10 € je Stück zu zahlen. [...]
Es ist so einfach und so absurd zugleich. Für alle die nicht im Thema stehen: USB-Sticks und Speicherkarten wie SecureDigital (SD) oder CompactFlash (CF) sind mehr oder minder die Nachfolger der 3,5-Diskette. Inzwischen haben diese Flashspeicher-basierten Medien eine Kapazität von 16 Gigabyte überschritten. Beliebt sind sie etwa, um mobiles Linux zu nutzen, Office-Dokumente von A nach B zu bewegen oder einem Freund die Bilder der letzten Feier zuzuspielen. Bei Schulungen kann der Dozent so Arbeitsergebnisse einsammeln oder Übungsaufgaben verteilen - manche haben ihre halben Eigene Dateien
aus Windows kopiert und auf dem Stick zur Verfügbarkeit liegen. Sie erleichtern den Dateiaustausch zwischen Schule und Zuhause, sich selbst und Freunden. Und Speicherkarten dienen bekanntermaßen in Digitalkameras als Bildspeicher.
Verwertungsgesellschaften (in Deutschland knapp über ein Dutzend) vertreten grundsätzlich die Urheberrechte und daraus entstehenden Folgerechte für Reproduktion, Vorführung, Verkauf auf die von einer spezifischen Klientel erzeugten Güter (zumeist Kulturgüter wie Musik, Fotografien, Filme,...) - vor allem im Bezug auf den monetären Gewinn durch Reproduktion der erzeugten Güter. Dieses Klientel ist je nach Verwertungsgesellschaft verschieden und hat eine dezidierte Ausrichtung (zB das Klientel der weltweiten Musiker, Musikproduzenten und Plattenfirmen).
Diese Verwertungsgesellschaften fordern im Interesse ihrer Klientel Gebühren bei öffentlicher Aufführung der Werke, bei Sendung (zB auf YouTube) oder bei Verwendung der Songtexte. Es spielt dabei keine Rolle, ob etwa ein Film zur Bildung zB im Unterricht verwendet wird. Rein theoretisch müssten Lehrer für das Zeigen eines Dokumentarfilms im Unterricht Abgaben an die entsprechende Verwertungsgesellschaft zahlen. Auch Jugendliche, die in ihrem Kurzfilm auf YouTube die neueste Platte vom angesagten Rapper verwenden, müssten theoretisch pro Besucher des Videos eine Gebühr für die Verwendung des Liedes zahlen.
Grundsätzlich sind diese Ansprüche verständlich, weil daraus die Künstlerinnen- und Künstler einen Teil ihres Lebensunterhaltes bestreiten, weil eine vernünftige Vertriebsinfrastruktur gewährleistet ist oder weil sich so nicht jeder am geistigen Eigentum des Anderen sorglos bedienen kann.
Nun fordern die Verwertungsgesellschaften also auch auf Speichermedien wie USB-Sticks gebühren. Der Gedankengang ist einfach: Auf diesen Medien kann Musik gespeichert werden, können Kunstwerke als Bilder gesichert werden, können Spielfilme transportiert werden oder, oder, oder.
Beim Kauf werden demnächst also 10 Cent mehr fällig, was für mich eine Unverschämtheit ist. Der Nutzen eines Mediums wird hier von seinem allgemeinen Zweck der Datenspeicherung jeglicher Art soweit gekürzt, dass eine Abgabe gerechtfertigt werden kann. Anders gesagt: Es wird die Hypothese aufgestellt, dass man das Medium nutzt, um die geschützten Werke zu speichern. Ob man dies aber tatsächlich tut, ist eine andere Frage. Aufgrund reiner Spekulation bzw. gegebener Möglichkeit, aber nicht absoluter Tatsächlichkeit wird das Recht beansprucht, auf einen Teilnutzen des Gerätes eine Zusatzgebühr einzuführen.
10 Cent sind zwar wirklich nicht die Welt, aber der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht. Und die Gefahr besteht, dass Abgaben Wildwuchs annehmen. Wenn ich zB eine Musik-CD erwerbe, warum sollte ich dann nicht das Recht dazu haben das erworbene Gut zwischenzuspeichern? Etwa um die Musik auf ein Netbook zu übertragen, was kein CD-Laufwerk hat. Ich erwerbe auch Lebensmittel oder Schreibwaren. Aber weder Edeka noch Lamy fordern auf die von mir bereits gekauften Güter noch Lagergebühren.
Führt man den Gedanken weiter, hätten bald etliche Unternehmen ein Recht darauf, auf Speichermedien auch ihrerseits Gebühren zu erheben. Jeder Internetblog könnte Gebühren erheben - denn: Man kopiert einen Text, speichert ihn als .txt und kopiert ihn auf den USB-Stick. Warum also eine Sonderbehandlung für Verwertungsgesellschaften? Warum eine Zweitgebühr auf bereits erworbene Güter?
Kaum war diese Meldung verhallt, kam auch schon der nächste Vorschlag: Der CEO des Axel Springer Verlages fordert eine Gebühr auf neue PCs, von der journalistische Angebote im Internet profitieren sollen. Zuvor hatte Verleger Hubert Burda kritisiert, dass Suchmaschinen mit Werbung mehr verdienten als journalistische Angebote im Web, obwohl diese den Content und Suchmaschinen nur den Wegweiser
liefern.
Für mich stellt sich jetzt die selbe Frage wie bei der Gebühr auf USB-Sticks und Co. Aus welchem Grund wird auf einen theoretischen Zweck eines Gutes versucht, eine Gebühr zu erheben? Und unter welchem fadenscheinigen Argument?
Es hat niemand die Verlage und die Zeitungen im speziellen; oder irgendeine andere Firmen gezwungen, ihre Inhalte auch online bereitzustellen. Und ein neuer PC ist ja nicht automatisch ans Internet angeschlossen. Und selbst wenn er das ist, muss der Besitzer ja kein BILD-Leser sein. Hier sind also 3 Eventualitäten umgangen worden. Wenn die Verlage Geld mit ihren Inhalten machen wollen, müssen sie ihre Online-Angebote an ein Online-ABO o.ä. knüpfen - nur wie lange überleben sie dann noch?
Und ist es nicht eher so, dass die Newsmeldungen der Zeitungen erst durch Google u.a. so leicht und sortiert erreichbar sind, dass eine hohe Zahl an Besuchern auf deren Seiten ströhmt?
Da ist es durchaus legitim, dass Suchmaschinen mehr Werbeinnahmen haben. Immerhin stellen sie eine gigantische Masse an Servern, Mitarbeitern und ihrer Suchtechnologie kostenlos bereit -also Infrastruktur wie sonst Straßen. Nur KFZ-Steuer muss halt für Suchmaschienn keiner zahlen. Nutznießer sind hier also v.a. auch die Onlineangebote der Zeitungen.
Viele dieser Firmen, gerade auch Verlage und die Musikbranche haben den Internethype einfach verschlafen und versuchen nun, aus dem letzten Kehricht noch irgendwie Geld zu machen. Etabliert sind im Internet längst andere. Blogs und andere liefern schnelle Informationen, sind unabhängig, persönlich.
Außerdem zeigt das Web 2.0, dass viele Internetnutzer an Menschen wie du und ich
interessiert sind. Sie lesen deswegen vermutlich auch lieber Meinungen und Berichte von Personen, die sie kennen oder die zumindest weitaus persönlicher sind als Autoren großer Magazine und Zeitungen.
Außerdem bedienen sich die Onlineausgaben von Zeitungen etc. gerne auch der Ergebnisse von Blogs, Twitterern (siehe u.a. die Wahlen im Iran) und recherchieren höchstwahrscheinlich auch mit Google.
Die self-made Nnchrichten aus dem Internet haben im Gegensatz zum klasischen Journalismus nur zwei große Probleme: Sie sind nicht kanalysiert. Jeder Blog hat meist nur ein Ressort oder nur ein Teilgebiet des Ressorts in seinem Repertoire. Zwar gibt es Blogrolls u.a., aber man muss sich seine Blogs mühsam selbst zusammensuchen, wenn man sich ganzheitlich
informieren will. Außerdem sind die wenigen Versuche, alle Blogs zu kanalysieren, etwa digg und co, noch anfällig für Manipulation etc. Das zweite große Problem: Jeder kann etwas im Internet publizieren. Welche Meinung ist profund? Wem kann man überhaupt vertrauen? Was sind die Quellen? Welches Milieu vertritt der Blogger? Diese Fragen muss man sich stellen, wenn man die Angebote nutzt.
Der klassische Journalismus zeichnet sich eben durch diese Sortierung, Vielfalt und Vertrauenswürdigkeit aus. Sortiert nach Ressort, ganzheitlich und die Top-News stehen auf der Startseite. Die Quellen sind ersichtlich und die Nachrichten werden mit professionellen Bildern, Videos, Interviews und so weiter aufbereitet.
Andererseits wird der Ruf des Journalismus durch Nebenverdienste von zB Anchormen (ARD und co. sind aktuell unter Kritik), geschalteter Werbung etc. beschädigt. In der Vergangenheit gab es mehrfach Fälle, in denen offensichtlich kritische Berichterstattung über eigene Werbekunden ausbleibe.
Die Misere wird relativ schnell deutlich: Am Internet und an der digitalen Revolution allgemein partizipieren wollen alle - Verwertungsgesellschaften im Auftrag der Künstler und großen Firmen, klassiche Medien wie die Zeitung oder das Fernsehen - und eben die Internetgemeinde. Aber dafür tun möchten sie meist nichts.
Wenn es darum geht, die Gewinne herauszupressen sind alle vorne dabei. Wenn es aber darum geht, selber etwas bereitzustellen, geht man gerichtlich vor, verhängt strafen von bis zu 2000€ pro verwendetem Musikstück etc. Ohne Fangemeinden im Netz, Foren oder YouTube bliebe für die Künstler eine Menge gratis-Publicity aus. Und ein großer Teil der Musik wird heute online bezogen, über Musicload, ITunes und andere. Trotzdem kriminalisiert man Jugendliche, die Musik in ihren Filmchen verwenden, verlangt selbst bei Aufführung in Schulen Gebühren, schließt inoffizielle Fanforen oder kooperiert nicht mit YouTube.
Dabei ist es erwiesen, dass die Besucher von YouTube zB dazu tendieren, eine CD eines Künstlers zu kaufen, wenn man einen Teil seiner Musik dort gehört hat.
Bei den Verlagen ist es nicht anders. Sie profitieren von der Suchtechnologie von Google, recherchieren auf Wikipedia und nutzen Blogs und CO. mehr und mehr als Quellen. Ihre Angebote werden erst durch Suchmaschinen häufig geklickt. Und geht es so weiter, wird es bald (über)lebenswichtig, online präsent zu sein. Wer kauft noch Zeitungen, wenn es so vieles online zu lesen gibt. Wer kauft Zeitungen, wenn das Internet mit UMTS und HotSpots jederzeit abrufbar ist, wenn es nicht ein Mal täglich erscheint sondern sekündlich tausende neue Informationen liefert?
Es muss ein Interessensausgleich geschaffen werden. Natürlich muss ein Künstler Geld mit seinen Werken verdienen, aber von mir gekaufte Musik muss ich auch speichern können ohne Geld auf USB-Sticks zu zahlen. Natürlich muss sich Qualitätsjournalismus noch lohnen, denn wer stellt professionelle Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung?
Aber nur wenn man sich Technologie auch in Zukunft leisten kann, kann der erst 15 Jahre alte Markt Internet
weiterhin wachsen. Nach gut-dünken Gebühren auf alles was damit zu tun hat zu erheben, weil im internet ja nur raubritterturm betrieben wird (zumindest nahc Ansicht einiger Vertreter der Industrie) erstickt die digitale Revolution - und dann kann keiner mehr profitieren. Auch 12-jährige Bubis zu ermahnen, Eltern tausende Euro Strafe zahlen zu lassen, Fanvideos sperren zu lassen oder Foren zu schließen bedeutet eienn erheblichen Imqageschaden. Die null-toleranz hat sich nicht ausgezahlt. Man kann einfach nicht alle kontrollieren, irgendwo werden auch in deiser Sekunde Musikstücke in Videoportale eingestellt.
Die sehr sehr junge Geschichte hat aber leider gezeigt, dass Interessenausgleiche nirgendwo gelingen. Beim Rauchverbot kennt die Politik fast nichts als Extreme: Entweder überall doer gar nicht. Klimaschutz? Entweder fossile Energie oder nur noch Erneuerbare. Entweder Steuersenkungen oder Erhöhungen. Es wird nciht nach dme meisten Nutzne gefragt, es wird das eigene Interesse meist zum späteren eigenen schadne rigoros durchgesetzt
Wenn es in Zukunft nicht gelingt, im Bezug auf Urheberrechte einen Konsens zu finden, dann schadet das allen. Ein Vertriebsmedium wie das Internet sucht seinesgleichen. Es ist das dominierende Medium der Zukunft - aber es bricht unter Bürokratie und nutzlosen Gebühren zusammen. Klassischer Journalismus hat angesichts der beschränktheit der Printmedien ganz allein keine Zukunft mehr, nur im Verbund mit Onlineangeboten gelingt es. Und werden immer mehr Gebühren erhoben, kann sich eh bald keiner mehr dessen Nutzung leisten - oder er traut sich nicht mehr, vor Bürokratie, Abmahnanwälten und Verfolgung. Und dann macht der Letzte das Licht aus...
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