Die Ärgernisse der Augsburger

Die Ärgernisse der Augsburger ist eine Serie von Artikeln, die über Themen handelt, die in der Stadt immer wieder für Diskussionsstoff sorgen. Im Blickpunkt stehen vor allem Dinge, die die Bewohner der Stadt sehr in Rage versetzen, in Wirklichkeit aber nicht so schlimm wie dargestellt erscheinen.


Eigentlich dürfte ich mich gar nicht beklagen, denn an sich geht es mir richtig gut. Als Azubi im öffentlichen Dienst bekommt man tolle Einblicke in den verschiedensten Einsatzbereichen, die von der öffentlichen Beleuchtung bis hin zur Technik von Straßenbahnen führt. In Augsburg gibt es wohl keine besser Alternative die dreieinhalb Jahre Lehrzeit hinter sich zu bringen.

Als Bürger ober- bzw. altbayerischer Abstammung hat man es aber wirklich schwer das kleine Völkchen vom Lech zu verstehen. Von deren Seite wird das gerne auf unseren – noch sehr ausgeprägten – Dialekt geschoben, der wohl im ganzen bayerischen Sprachraum einzigartig ist. Nirgendwo anders vermischen sich zwei verschiedene Dialekte (südbayerisch und schwäbisch) so stark, wie im Landkreis Aichach-Friedberg. Der eigentliche Grund sind aber die ganzen komischen Eigenschaften der Augsburger, die ich in dieser Serie näher bringen will.

Zu Beginn der Serie möchte ich einen Fall vorstellen, der mich persönlich auch ein wenig betrifft, da ich zur Zeit bei der öffentlichen Beleuchtung meinen Horizont erweitern darf. Schnell zusammengefasst geht es hier darum die Beleuchtung der ganzen Stadt in Schuss zu halten. Allen voran gehen hier wohl die Straßenlaternen, die jeden Tag aufs Neue Pflege benötigen.

Doch was wäre die Stadt ohne ihre netten Bewohner, die sich dafür einsetzen, dass alles in Ordnung ist? Genau, nichts. Darum melden diese auch immer wieder Störfälle, die die Angestellten nun bearbeiten dürfen. Oftmals sind es sogar nur einfache Dinge, wie eine Wanne, die wieder befestigt werden muss oder eine kaputte Glühbirne. Manchmal aber streikt auch das Innenleben der Leuchte, wodurch diese natürlich erst demontiert werden muss um in der Werkstatt wieder repariert zu werden.

Diese Reparaturen sind meistens auch ziemlich schnell erledigt, wodurch der Laternenmast im Grunde nicht länger als einen Tag auf seine Leuchte warten muss. Nach der erneuten Montage muss diese aber noch einmal auf ihre Funktion getestet werden um weitere Fehler auszuschließen. Das bedeutet also, dass die Laternen einer ganzen Straße mal eben für wenige Minuten angeschaltet werden müssen.

An sich wäre das natürlich nicht sonderlich schlimm, wären da nicht wieder diese netten Mitbürger, die sich für die Stadt einsetzen. Diese haben nämlich plötzlich Angst, dass irgendwer durch das Licht geblendet werden und dadurch einen Unfall verursachen könnte. Deshalb wird auch schon die nächste Beschwerde vorbereitet. Dieses Mal nicht aber wegen einer defekten Leuchte, sondern wegen der Inbetriebnahme eben dieser.

Nun fragt man sich als Arbeiter natürlich, ob man es den Einwohnern dieser schönen Stadt überhaupt noch Recht machen kann. Würden die Leuchten nämlich nachts angebracht, dann müssten erst einmal sämtliche Laternen abgeschaltet werden, um überhaupt einen sicheren Arbeitsplatz zu gewähren. Außerdem ist auch der Störfaktor für die Anwohner enorm größer, denn immerhin bekommt man solche Dinge bei Nacht viel besser mit.

Eine Lösung für dieses Problem wurde noch nicht gefunden, denn diese wird ja gar nicht verlangt. Nein, es reicht, wenn der Abteilungsleiter einen netten Entschuldigungsbrief an die Betroffenen schreibt und dort die verzwickte Lage schildert. In diesem Text steht dann zwar, was uns der normale Menschenverstand schon sagt, doch schriftlich sieht es an der Wand einfach viel besser aus.

Veröffentlicht am 04.03.2009 von Fabian.

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