Valetinstag? Pah, ohne mich!

Obwohl ich ja nichts davon halte, dass die Menschheit für Frieden, Liebe, Hoffnung, Safer Internet, Kinderfreudlichkeit und so weiter immer einen besonderen Weltgedenktag braucht, ist es doch irgendwie verlockend, gerade den Valentinstag als Grund zu nehmen SIE endlich anzusprechen. Naja, irgendwie.


Die Realität sieht aber so aus, dass viele Teenager sich gar nicht erst trauen. Und einer von denen bin dann wohl ich. Jeden Tag gehe ich in die Penne, die Schule. Erstaunlich gerne im Vergleich mit allen Anderen. Und das Problem oder der Vorteil, je nachdem auf welcher Seite man steht ist, dass man seinen halben Tag mit mehr oder minder fremden Jungen und eben Mädchen verbringt. So weit, so schlecht. Denn eigentlich hatte ich vor, meine Zeit dort, gerade zu Beginn der Oberstufe, völlig unbemerkt zu fristen. Und vor allem: Ohne Verwicklungen wie (igitt!, hätte man als Grundschüler noch gesagt) sich in sonstwen, die man eh nicht kennt, zu verknallen. Aber wenn man 5 Tage die Woche bis zu 10 Stunden mit einer gleichbleibenden Ansammlung von Jugendlichen verbringt, die zu allem Überfluss auch noch die gleichen Kurse gewählt haben, dann steht man vor einem Problem: Ob man will oder nicht, fast ganz ohne bewusstes Denken, gibt es da jemanden den man irgendwie doch nett findet.

Weil das nicht das erste mal war, hab ich's früh genug bemerkt um mich bewusst dagegen zu wehren. Was natürlich nichts genützt hat. Und so, Tag ein Tag aus, geht man in eine Institution, in der man(n) dem Unterrichtsgeschehen, entgegen all seiner Bemühung, immer weniger Aufmerksamkeit zukommen lässt. Alles nur, um ein Mädchen anzustarren, auf ihre hübsche Stimme zu hören, zu versuchen, ihren Blicken peinlich berührt auszuweichen und ihre Unterrichtsbeiträge möglichst nicht zu kommentieren - weder positiv noch negativ. Irgendwann geht das so weit, dass man sich auf Montage freut, weil man sie dann wieder sieht. Witzigerweise ist einem diese Person, die man nun für klug, hübsch und unerreichbar hält vorher nie aufgefallen und nun trifft man sie jedes mal auf dem Korridor. Nur um da mit möglichst versteinerter Mimik und möglichst langem Schritt weiterzugehen.

Und dann fangen irgendwann Gedanken an wie Sprich sie an!, Nee, mach es nicht - du blamierst dich, du Idiot!, Was wäre wenn ...? oder Ach, die hat sowieso schon einen Freund .... Das ganze wird so mies und unerträglich das es eigentlich nur zwei Konsequenzen gibt: Sich der Droge entziehen, kalter Entzug, oder endlich mal mit ihr reden ohne, dass es im Unterricht nötig wäre. Schließlich ist es der Feigling, der meist obsiegt und man verbringt den Rest der Wochen bis zu den Ferien mit einer verkrampften Magengrube und dem Blick richtung Boden (sie bloß nicht ansehen!) nur damit das ganze nach den Ferien wieder losgeht.

Da jetzt nach den Winterferien, vor den Osterferien und vor eben dieser nutzlosen Weltgedenktag-Valetinstag (durchkommerzialisiert wie alles, aber was solls?) ist, sind die Magenschmerzen wieder besonders groß, der Blick erst recht gen Boden gericht und die auffällige Unauffälligkeit des schizophrenen Kampfes in einem, in mir oder so, wieder besonders schlimm. Solange ich so bleibe wie ich bin ist auch der 14. ein Tag ohne mich - oder ohne sie ...

Veröffentlicht am 10.02.2009 von Anonym.

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Kommentare

Fabian schrieb am 11.02.2009, 18:16 ( #1 )
Ich kann dich leider nur allzu gut verstehen. Im Grunde würde das wahrscheinlich sogar ein wenig zu mir passen. Die Ängste sind jedenfalls gut beschrieben. Bist aber nicht der einzige, der diese hat...

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Schlagworte: LebenValentinstag


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