6,8 Milliarden Menschen leben auf der Erde. So zumindest die schönfärberische Statistik. Wie viele davon tatsächlich leben, ist allerdings ungewiss. Wir leben, das brauche ich wohl niemandem noch zu erklären, in einer Gesellschaft, die von Massenmedien, von Massenkommunikation beherrscht wird. Und diese Medien prasseln rund um die Uhr ununterbrochen auf uns ein. Sich dem zu entziehen gleicht schon einer Meisterleistung, eigentlich ist es ja unmöglich.
Ironischerweise ist es gerade die Jugend, die von sich behauptet, völlig unabhängig von den Medien zu sein, sich nicht beeinflussen zu lassen. Und leider sieht genau diese Jugend nicht das, was sie eigentlich sehen sollte. An ihr ist die Individualität zu Grunde gegangen. Selbstverständlich ist das nicht nur die heutige Jugend, das Phänomen begann bereits vor einigen Jahren. Und selbstverständlich sind nicht allein die Medien schuld, ich wage aber trotzdem zu behaupten, dass sie in einigen Bereichen einen großen Teil dazu beitragen. Selbstverständlich hüte ich mich auch vor dem, was ich selbst nicht leiden kann, dem Pauschalisieren. Natürlich ist mir klar, dass glücklicherwesie längst nicht alle Jugendlichen davon befallen sind. Ich habe ohnehin die Vermutung, dass das Phänomen stark abhängig vom sozialen Stand ist. Ist also der Verlust der Individualität eine rein soziologische Erscheinung? Ich stimme dieser These im Großen und Ganzen tatsächlich zu, und zwar mit folgendem, nicht pauschalisierend zu verstehenden Argument: Wer sich nicht so leicht beeinflussen lässt, der hat in der Regel genug im Kopf, um festzustellen, dass die Verschiedenheit ein kostbares Gut ist, das es zu bewahren gilt. Solche Leute schlagen meistens eine höhere Schulbildung ein und sind dort unter Ihresgleichen. Den „dümmeren“ Menschen bleibt diese Schulbildung meistens verwehrt, sie landen dann meistens auf niedrigeren Schulformen. So entsteht dann die immer größer werdende Kluft zwischen Gymnasien und den anderen Schulen. Ich wiederhole nochmal, dass ich hier niemanden über einen Kamm scheren will. Ich weiß selbst, dass es einige Hauptschüler gibt, denen allein die Missgunst der Grundschullehrerin die Aussicht aufs Gymnasium verwehrt hat.
Trotzdem, und da werden mir wohl die Meisten zustimmen, sind Menschen ohne messbare Intelligenz leichter beeinflussbar und anfälliger für mediale Propaganda. Immerhin sind wir heute tatsächlich schon so weit, dass die Leute erkannt haben, dass nicht alle Menschen gleich sind, sondern sich in unterschiedliche Gruppen einteilen lassen. Trotzdem, was treibt die Menschen zu dem Glauben, dass jeder in irgendeine Gruppe oder Bewegung eingeordnet werden muss? Viel zu oft hört mann „Igitt, ein Hopper!“ oder „Bah, ein Emo!“. Die Leute sehen nicht mehr das Individuum an sich, sondern ordnen es gleich in eine Schublade ein, in der die Vorurteile und Stereotypen bereits vorgefertigt bereitliegen. Meistens wird der Charakter nach der Musik bestimmt, die der Betreffende hört. Meiner Meinung nach ist es vielmehr umgekehrt: Der Charakter bestimmt die Musik, die man gerne hört.
Aber auch hier, in der Musik, sieht man, wie die Individualität gnadenlos unterdrückt wird. Mittlerweile wird für jede Band einzeln eine allgemeingültige Bezeichnung für eine neue Musikrichtung angelegt, weil die Musik sich so gar nicht in irgendeine der bisherigen Richtungen einordnen lassen will.
Ich sage hier natürlich nichts gegen die Neuerschaffung von Musikrichtungen, sondern gegen die Einordnung eben jener. Natürlich ist es schön, das es bands gibt, die Dinge ausprobieren, die bisher noch niemand gemacht hat, doch ich finde es absolut unsinnig, deshalb für 20 Bands 20 Bezeichnungen zu erfinden. Klar, jede neue Art der Musik muss irgendwie benannt werden, da habe ich auch nichts gegen. Aber warum sagt man „Band XY macht Heavy Metal mit Elementen aus Crunk, Industrial und Progressive Metal“ anstatt „Band XY macht Musik, wie Band XY sie eben macht, wie die Band eben ist“? Eine Band macht halt eben einfach die Musik, die sie macht, und die ist meistens eben unnachahmlich und lässt sich eben nur beschreiben, nicht aber benennen.
Aber nun wieder zurück zur Jugend. Leider sind dort die Menschen noch nicht so weit, für jeden Jugendlichen eine neue Jugendbewegung zu erfinden, denn das wäre ja immerhin eine halbwegs angemessene Anerkennung der Individualität. Dummerweise sind aber auch viele Jugendliche noch gar nicht zu der Erkenntnis gekommen, dass sie gegen ihren vermeintlich eigenen Willen doch so sind wie alle anderen. Zwar behauten sie alle genau das, jedoch werden diejenigen, die wirklich anders sind, schlichtweg ausgeschlossen, ignoriert, teilweise auch gemobbt.
Es scheint also so, als müsste die Jugend das Anderssein, die Individualität erstmal selbst erkennen, tolerieren und akzeptieren, bevor einer von ihnen wirklich wissentlich anders sein kann.
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