Es ist eigentlich jedes Jahr das Gleiche: Immer um dieselbe Jahreszeit, wenn sich die ersten Vorzeichen der kommenden Katastrophe mehren, dann sind die Medien immer ganz vorne dabei: Zunächst berichten die Printmedien - mit großen, fetten Schlagzeilen, dann kommen erste Meldungen in Funk und Fernsehen, es folgen die Gefahrenmeldungen, die Sondersendungen, der ARD-Brennpunkt und ... natürlich der Wetterbericht. Und überall gibt es nur ein Thema: Dieses sonderbaren und furchteinflößenden meteorologischen Ereignisse, die sich draußen vor unseren Fenstern abspielen, und die das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen bringen könnten:

Ja, früher hieß das noch Winter – heute heißt das Schneechaos. Früher gab’s das auch noch jedes Jahr und es war eine Jahreszeit, heute gibt’s das dank Klimaerwärmung nur noch jedes zweite aber dafür gilt es als Naturkatastrophe. Klar, denn mit einem Wintereinbruch oder gar nur einem einfachen Winteranfang lockt man heutzutage keinen Hund und schon gleich gar keinen BILD-Leser mehr hinter dem Ofen hervor. Ein Chaos ist da schon das mindeste, eine Katastrophe noch besser.
Und schließlich tatsächlich die erste Schneeflocke den Boden berührt, dann geht es erst richtig los: So schnell kann der kleine Eiskristall auf dem von der letzten Herbstsonne noch warmen Erdreich gar nicht schmelzen, da wird schon der Ausnahmezustand ausgerufen, alle Rundfunkstationen schmeißen ihr gesamtes Programm um und senden Heerscharen von Spezialsonderaußenreportern aus, die wie die apokalyptischen Reiter das Land durchstreifen - immer am Brennpunkt des Blizzards und jederzeit bereit auf Sendung zu gehen.
Da müssen dann natürlich auch alle anderen Themengebiete zurückstecken; aber wen interessieren denn weltweit fallende Aktienkurse und die Abkühlung der Weltwirtschaft, wenn deutschlandweit die Temperaturen fallen und wir uns eine kalte Nase hohlen? Wer will schon die unzähligen unverkäuflichen Autos auf den Verkaufsflächen der deutschen Automobilhersteller sehen, wenn es doch super Liveberichte von tollen Massenkarambolagen auf den deutschen Autobahnen gibt. Und kein Mensch wird doch etwas von tausenden hungernden und vom Bürgerkrieg bedrohten Afrikanern im Kongo hören wollen, wenn doch hunderte Deutsche mit ihren sommerbereiften Autos auf der A8 festsitzen und von ADAC, THW und DRK bedroht versorgt werden.
Ganz ungefährlich ist dieses Spektakel aber selbstredend auch nicht. Gerade unsere G8-geschädigten Schüler, bei denen die Vokabel "Winter" leider aus dem Lehrplan gestrichen wurde, wissen sich überhaupt nicht mehr zu helfen und können unmöglich mit diesem radikalen Wetterumschwung fertig werden. Deshalb hat auch das bayerische Kultusministerium in vorauseilender Besorgnis - schon zwei Tage vor dem prognostizierten Weltuntergang - verkündet, dass die Schulen notfalls auch ausfallen könnten, wenn der Weg zur Schule aufgrund der akuten Gefahrenlage nicht mehr zumutbar ist.
Da sind unsere Schuldirektoren aber aufgeschreckt, aus ihrem Büroschlaf, haben sofort reagiert und schon mal vorsorglich reihenweise einen Tag blau gemacht ihre Schulen geschlossen. War aber auch eine nachvollziehbare Maßnahme, denn ab folgenden Tag kam er wirklich: der Schneesturm! Gut, Sturm hatten wir eher nicht, genau genommen nicht einmal Wind, sondern eher eine – Flaute, aber Schnee ist tatsächlich gefallen, und das 1cm hoch - wenn nicht weniger!
Bei solch dramatischen Zuständen hilft eigentlich nur eins: Ab nach Hause, Notfallvorräte anlegen, Fenster und Türen verbarikatieren und warten bis der Winter vorbei ist
Nur darf man sich dann keinesfalls zu früh freuen, denn kaum ist das Schneechaos vorbei, schon gibt es die ersten Hochwasserkatastrophen (ehemals Frühling), die Dürre- und Hitzewellen (in alten Zeiten unter dem Namen Sommer bekannt) und die Jahrhundertstürme (in vergangenen Tagen auch Herbst genannt)...