Professoren der Technischen Universität Chemnitz haben berechnet, dass Menschen mit 132 Euro im Monat an Hartz-IV-Unterstützung auskommen könnten. Die Studie sorgt für Aufregung, in einem Praxistest wären diese Ergebnisse wohl kaum haltbar.
Immer wieder gibt es Studien über mehr oder weniger interessante Dinge. Es geht zum Beispiel darum, wie viel Sprit man mit einem Fähnchen am Auto mehr verbraucht. Aber auch das Land mit dem höchsten Bierkonsum und die Ausmaße des Klimawandels werden immer wieder ermittelt.
Vor Kurzem wollen Professoren der Technischen Universität Chemnitz herausgefunden haben, dass Hartz IV-Empfänger zu viel Geld bekommen. Der Regelsatz von 351 Euro sei mehr als zum Leben notwendig. Auch bei großzügiger Berchnung kommen die „Experten“ nur auf 278€. Da das aber auch noch zu hoch ist, denn ein Langzeitarbeitsloser sollte mit 132 Euro über die Runden kommen. Für ein Kind würde weiters ein Aufschlag von 79 Euro reichen. Meinen zumindest die Studienautoren.
Bei solchen Studien frage ich mich schon manchmal, ob die selbsternannten Experten nicht jeglichen Realitätssinn verloren haben. Mich würde es nämlich wirklich interessieren, wie jemand mit 132€ im Monat überleben sollte. Es sollte doch allgemein bekannt sein, dass man in Deutschland beim Einkauf oftmals auch etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Der Mensch braucht nicht nur Lebensmittel, sondern auch Hygieneprodukte und Kleidung; Telekommunikationsmittel und geringfügige Freizeit-Ausgaben sollte man ihm auch zugestehen. Preise vergleichen alleine wird da nicht reichen, um mit den genannten Beiträgen auszukommen, zudem hier im außerstädtischen Bereich Fahrkosten hinzukommen.
Die einzige Möglichkeit wäre wohl, dass sich Betroffene nur noch kleine Mahlzeiten gönnen dürfen und auch hier schon auf gute Qualität verzichten müssen. Auch die Wohnung dürfte über kein warmes Wasser verfügen und auf den Strom müsste so geachtet werden, wie auf die Einteilung der Nahrung. Hygiene würde wohn auch zu einem Fremdwort mutieren. Zeitungen oder gar Bücher wären nicht mehr leistbar.
Jetzt frage ich mich bei solchen Voraussetzungen natürlich eines: Wie stellen sich die lieben Professoren die Arbeitssuche vor? Wenn es nicht schon am Schreiben der Bewerbung scheitert, dann spätestens beim Vorstellungsgespräch. Immerhin legen Arbeitgeber Wert auf gutes Auftreten, zu dem auch saubere Kleidung und Körperhygiene gehört. Doch gerade diese Dinge wären Luxus.
Hier haben uns unsere geliebten Forscher mal wieder eine Studie zum Schmunzeln gegeben. Ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn man diese Regelung irgendwann einführen würde, aber bitte erst nach einem mehrjährigen Praxistest an unseren Professoren aus Chemnitz. In jedem Fall hat die Studie eine heftige Debatte ausgelöst — für den einen der Skandal des Tages, ein anderer begrüßt, dass damit zumindest Bewegung in die Hartz-IV-Debatte kommt.
Beiträge zum Thema bei Rivva mitverfolgen.
Artikel kommentieren oder
manueller Trackback
Schlagworte: Gesellschaft • Hartz IV • Leben • Lebenskosten • Studie